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Spätestens seit der Marsbazillen-Affäre 1996 (die Älteren erinnern sich, mal wieder), erfreuen sich Marsmeteorite einer größeren Aufmerksamkeit als solche von irgendwelchen daher geschwebten Asteroiden. Auch wenn sich die Lebensspuren am Ende dann wohl doch nicht als solche herausgestellt haben, ist auch das wissenschaftliche Interesse nach wie vor gewaltig.

Meteorite vom Mars sind die einzigen Proben von einem terrestrischen Planeten, der zumindest das Potential für Leben hatte, die zur Untersuchung verfügbar sind (mal von der Erde abgesehen). Marsmeteorite sind zwar petrologisch betrachtet magmatische Gesteine – also aus einer heißen Schmelze kristallisiert. Dennoch standen zumindest ein paar von ihnen mit der Atmosphäre oder gar Hydrosphäre an der Oberfläche in Kontakt. Das führte zur Bildung von Sekundärmineralen, die sich in Verbindung mit Feuchtigkeit bilden. Diese Minerale sind sehr empfindlich was Druck, Temperatur und Zusammensetzung der Wässer/Atmosphäre betrifft. So können aus der Analyse von solchen Mineralen Rückschlüsse auf die Oberfläche des Mars zur Entstehungszeit gezogen werden.

So untersuchte eine britische Arbeitsgruppe an der Uni Glasgow solche Sekundärminerale in Spaltrissen eines Marsmeteoriten namens Nakhla. Dieser ist ~1.3 Milliarden Jahre alt und fiel 1911 in Ägypten, mit gerüchteweise fatalen Folgen für einen Hund zur falschen Zeit am falschen Ort.
Die Petrologie deutet auf eine Bildung nahe der Oberfläche (~10 Meter) hin, so dass ein Kontakt mit Wasser nicht überrascht.

Die britischen Kollegen untersuchten gerade mal 1-2 µm (also tausendstel Millimeter) breite Risse in Olivin Körnern (einem sehr gewöhnlichen, eisen- und magnesiumhaltigen Silikat). Dabei entdeckten sie Umwandlungsprodukte des Silikates, Schichtsilikate (ähnlich Tonmineralen) und, das ist der Punkt, Siderit. Das ist ein eisenhaltiges Karbonat, recht ähnlich Kalkstein (Ich weiß, ganz üble Holzhammermineralogie). Diese Minerale benötigen Wasser für ihre Bildung, Karbonate zudem CO2. Das darauf basierende Modell schlägt die Bildung solcher Minerale als den Grund für den Verlust der früheren, dichteren Marsatmosphäre vor, indem das CO2 in Gestein eingebaut wurde. Zuvor wurde ein Verlust der Atmosphäre in den Weltraum angenommen. Allerdings weisen die Autoren in der Diskussion darauf hin, dass dieses Model bisher nur auf wenigen Marsmeteoriten basiert, da wird wohl noch mehr geforscht werden.

Eine weitere signifikante Entdeckung ist Marsmeteorit NWA7533. NWA steht für North West Africa, der Stein wurde also irgendwie in der Wüste Nordafrikas gefunden.
Das interessante an NWA7533 ist, dass es sich um eine Regolith-Brekzie handelt. Diese entstehen, wenn die Oberfläche eines Planeten, hier Mars, so ordentlich durch Meteoriteneinschläge durchgemixt wird. So enthalten diese Brekzien viel feinkörniges, glasiges Material von völlig zerhauenem und zertrümmertem Gestein, aber auch größere Fragmente von Untergrundgestein. Für Petrologen eine Art Wundertüte, statt einem homogenen Klotz der nur aus einem Gestein besteht, hat man plötzlich eine ganze Auswahl zur Verfügung (wenn auch arg zerdeppert). Noch besser: Brekzien sind Oberflächengesteine, und so wäre NWA7533 vielleicht das erste echte Oberflächengestein vom Mars, vielleicht so etwas wie Marsboden.

Ein Problem mit Wüstenmeteoriten, aber auch solche aus der Antarktis ist deren lange Aufenthaltszeit auf der Erde. Die Erde ist eben feucht und sauerstoffreich. Das tut Meteoriten in der Regel gar nicht gut, sie verrosten regelrecht, und es können sich auch Sekundärminerale bilden. Das ist natürlich nicht so toll, wenn man eben nach Spuren von Wasser auf anderen Körpern forscht. Deshalb sind Fälle gerade für solche Studien immer besser geeignet, man muss nicht zwei verschiedene Feuchtigkeitsquellen unterscheiden. Insofern sind Fälle auch das, was einer Sample Return Mission am nächsten kommt. Und bei Marsmeteoriten weiß man zumindest, woher die Probe kommt (wenn auch nicht, von wo genau auf dem Planeten).

So war der Fall von Tissint 2011 bisher wohl das, was einer günstigen Sample Return Mission vom Mars am nächsten kommt. Der Stein wurde zügig eingesammelt, so dass terrestrische Einflüsse (vergleichsweise) niedrig sein dürften. Günstig ist natürlich relativ, Proben wurden für den zehnfachen Goldpreis versteigert. Aber im zumindest im Vergleich zu einer milliardenteuren Raummission kann man schon von fast für lau reden.

2 Kommentare zu “Marsproben, fast umsonst

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