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wurde auch Dr. Johnson von der Open University in Milton Keynes (man vergebe mir das abgenudelte Wortspiel).
Diese veröffentlichte kürzlich ein Paper über Eisenmeteoriten als Grabbeigaben im alten Ägypten – und zwar als älteste Objekte aus Eisenverarbeitung im alten Ägypten.

Nun ist die Wordkombination Altes Ägypten + Meteorite sicher dazu geeignet, verpeilte Esoteriker aller Art aus den Löchern zu treiben (vom Schlage Erich von Demjenigen et al.).

Diese Studie ist allerdings seriös. Es geht um ca. 2 cm große, stark verrostete, längliche Metallröhren oder ‚Perlen‘. Diese wurden 1911 bei Gerzeh, südlich von Kairo auf einem alten Friedhof ausgegraben. Das Alter ist auf 3600 bis 3350 v.Chr. datiert. Die Perlen zogen früh Interesse auf sich, gerade der Gehalt an Nickel deutete auf einen möglichen meteoritischen Ursprung hin. Aber so richtig konnte die Frage lange nicht geklärt werden, zumal diese wertvollen Artefakte nicht in geeigneter Weise für Messungen präpariert werden konnten, wie z.B. durch Aufsägen und Polieren um das nicht rostige Innere zu analysieren.

Dr. Johnson et al. lösten das Problem mittels Röntgen-Computertomographie. Diese Technik erfreut sich zunehmend großer Beliebtheit in den Naturwissenschaften, da es mit ihr möglich ist, das Innere von Proben zerstörungsfrei abzubilden. Und gerade in der Meteoritenforschung hat man es regelmäßig mit seltenen, empfindlichen und/oder sehr kleinen Proben zu tun. Bei der Röntgentomographie wird eine Probe mit einem feinen Röntgenstrahl durchleuchtet, und ein 3-Dimensionales Modell erstellt. Je nach Materialdichte werden die Röntgenstrahlen unterschiedlich absorbiert, und so lässt sich am Computer ein hochaufgelöstes Bild des Inneren betrachten. Aus den Daten konnten Hinweise auf die Verarbeitung des meteoritischen Eisens gewonnen werden – das Eisen wurde in Form gehämmert. Außerdem konnten zusammen mit chemischen Untersuchungen mittels eines Rasterelektronenmikroskops (REM) die Eisen/Nickelgehalte recht gut eingegrenzt werden, sie sind vergleichbar mit den von Eisenmeteoriten bekannten Konzentrationen.
Endgültiger Beweis für die meteoritische Herkunft des Eisens waren die Widmanstätten-Strukturen(ähnlich dem Bild oben). Diese sind längliche Bereiche Unterschiedlicher Eisen/Nickelkonzentrationen, die bei der langsamen Abkühlung des flüssigen Metalls un Kristallisation entstehen. Bei polierten und an geätzten Scheiben aus Eisenmeteorit ergeben sich so recht ansehnliche Strukturen.

Das Ganze könnte auch religiöse Auswirkungen auf die alten Ägypter haben können, aber das ist eine andere Geschichte.

Ein Kommentar zu “Von der Vergangenheit eingeholt (2)

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