Home

Die Herbsttagung der AGU (American Geophysical Union) erweist sich weiterhin als sehr ergiebig. Wissenschaftler am JPL (Jet PropulsionLaboratory) in Pasadena haben alte Nahinfrarot-Daten der Galileo Mission-zum Jupiter (die Älteren erinnern sich etc, etc) nochmal durchgequirlt, und in der Tat etwas Interessantes entdeckt. Die Ergebnisse werden Morgen auf der Tagung von einem im Moment wohl etwas hibbeligen Vortragenden präsentiert.

Infrarotspektroskopie, wir erinnern uns, hilft die Zusammensetzung eines Materials anhand dessen reflektierten Lichtes herauszufinden. So haben James Shirley et Mitstreiter in solchen Daten für den Jupitermond Europa Tonminerale entdeckt.

Das Zeug scheint irgendwie überall aufzutauchen, was also ist jetzt daran so spektakulär? Europa ist ein Eismond, allerdings besteht nur eine Oberflächenschicht von zig-Kilometern aus Eis. Er hat einen Kern aus Gestein, aber darauf liegen ca. hundert Kilometer Wasser. Dank der Gezeitenkräfte Jupiters und der anderen großen Monde wird Europe ordentlich durchgeknetet, was wiederum Reibungswärme erzeugt. Deshalb hat Europa (wahrscheinlich) einen ordentlichen Ozean unter seiner Eisoberfläche.

Wasser bedeutet für Astrobiologen = Leben = viel, viel Forschungsmittel. Allerdings tut es Wasser alleine nicht, es muss halt noch so organisches Zeug rein. Dummerweise wurde gerade das noch nicht gemessen. Was aber haben jetzt die Tonminerale damit zu tun?

Sie könnten einen indirekten Hinweis darauf liefern, dass es organisches Material nach Europa geschafft hat. Es scheint nämlich sehr schwierig zu sein, Tonminerale vom Inneren Europas in den Ozean knapp unter der Oberfläche, und dann vor allem nach ganz oben auf die Eisoberfläche zu transportieren. Deshalb scheinen Einschläge von Asteroiden oder Kometen die beste Möglichkeit zu sein, Material auf den Mond zu transportieren. Dank Meteoriten und Spektroskopie wissen wir, dass diverse Asteroide sowohl Tonminerale als auch Organik enthalten (z.B. die guten, alten CM Chondrite). Kometen enthalten auch viel Organik, aber Schichtsilikate sind noch umstritten. Allerdings wären die feinkörnigen Silikate in Kometen wohl relativ leicht in Tonminerale umwandelbar (der Satz ist etwas spekulativ, hängt gerade auch von der Temperatur und so ab).

Wie auch immer, was exoplanetare Materialien angeht, kann mit gewisser Sicherheit gesagt werden, Tonminerale bedeuten auch Organik. Lehm = Leben wäre etwas voreilig, aber die Basisstoffe könnten durchaus geliefert werden.

Allerdings ist das Ganze vielleicht nicht ganz so spektakulär, wie es sich anhört.

Ein Kommentar zu “Lehm im Weltraum (3): Europa

  1. Pingback: Was sonst noch passiert ist (1) | EXO- PLANETAR

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s