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Die Älteren unter uns erinnern sich mal wieder. Anfang 1986, da war doch was. Ein spektakulärer Komet war angekündigt, ähnlich wie heuer ISON.
Beide Kometen wurden für das technologische Niveau der jeweilgen Zeit in einer konzertierten Aktion von Freund und Feind analysiert, was die Messeisen hergaben. Als optische Himmelserscheinung für den Erdenbürger blieben beide dann aber hinter den Erwartungen weit zurück. Wobei Halley nach wie vor sein Unwesen treibt, was man von ISON (RIP) leider nicht mehr behaupten kann.

Da Komet Halley (im Gegensatz zu Frischling ISON) schon lange vorher angekündigt war, sandte man ihm eine ganze Flotilla an Raumsonden entgegen.
Und zu einer Zeit, als der kalte Krieg durchaus noch heiss hätte werden können, raffte man sich zu einer Zusammenarbeit im Weltraum auf. So besuchten neben Giotto (ESA) und den japanischen Sonden Sakigake, Suisei auch Vega 1 und Vega 2 (UdSSR) Halley. Und nur Dank der Daten der japanischen und sowjetischen Sonden konnte Giotto so nahe am Kern Halleys vorbeifliegen. Eine geplante NASA Mission von zwei Shuttles, die aus der Erdumlaufbahn den Kometen beobachten sollten, wurde wegen des Challenger Unglücks abgesagt.

Giottos Trip durch den Kometenschweif war ein wahrer Höllenritt. Bilder vom Kern wurden bis etwa 1370 Kilometer Abstand übertragen, dann wurde die Staubdichte zu groß. Ein paar Sekunden vor der größten Annäherung erwischte ein Partikel von etwa einem Gramm Masse die Sonde, bei einer Geschwindigkeit von 69 Km pro Sekunde genug, um die Sonde in eine unkontrollierte Drehung zu versetzen. Aber Giotto stabilisierte innerhalb von 32 Minuten sich selbständig, und konnte mit Unterbrechungen Daten weiterhin übermitteln

Eine weiterer Punkt war die Medienreaktion auf das Ereignis. Die Erwartungen waren sehr hoch, und der Vorbeiflug wurde im Prinzip live im Fernsehen übertragen. Eine volle Ladung Halley und Wissenschaft im Fernsehen in den 80er Jahren hier und hier . Die BBC hat das Ganze etwas seriöser rübergebracht, hier mit dem fast noch jugendlichen Sir Patrick Moore.

Die Älteren unter uns erinnern sich an grobpixelige Falschfarbenbilder. Als stolzer Besitzer eines neuen Commodore 128 war ich damals dann etwas enttäuscht, die Bilder sahen von der Qualität so aus wie digitalisierte Fotos auf meiner Mühle. Das Ganze aus Sicht einer etwas älteren Generation. Die großen (visuellen ?) Erwartungen wurden dann auch enttäuscht, der Tagesschau-Beitrag vom Tag danach spricht bände.

Ich war aber schon Dank diverser Dokumentationen im Vorfeld vorgewarnt. Diese ESO Dokumentation von 1990 gibt einen Eindruck, wie damals Wissenschaft visualisiert wurde (und auch über den Stand der Kometenforschung post-Halley). Allesnoch recht pixelig, erstaunlich wie sich die Technologie weiterentwickelt hat. Andererseits werden unsere heutigen Animationen um 2040 herum wohl ähnlich antiquiert wirken.

Die spektakulären Livebilder, die heute eigentlich aus Prinzip bei solchen Missionen gezeigt werden, gab es indem Fall nicht. Die Technologie Giottos war eben späte 70er/frühe 80er, Raumsonden brauchen von der Planung bis zur Ankunft halt einiges an Zeit. Da ist die moderen Technologie bei der Ankunft gerne schon etwas ausgelutscht.

Am Ende wurde dann aber doch eine immer noch spektakuläre Sequenz aus diesen Daten zusammengepfrimelt. Auch die sowjetischen Vega Sonden produzierten Daten für einen Film.

Zusätzlich zu den Bildern war die wissenschaftliche Leistung von Giotto (und seinen Freunden) herausragend. So konnte mit Hilde von Massenspektrometern an Bord die Zusammensetzung des Schweifes (und damit wohl auch des Kometenkerns) vor Ort gemessen werden.

Die Rosetta Mission dieses Jahr hat wohl das Potential, diesem Epos gleichzuziehen.

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