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Nachdem der Weihnachtsmann erfolgreich NORAD entwischt ist, gibt es ein weiteres interessantes raumfahrttechnisches Ereignis in der Zeit zwischen den Jahren: Die ESA-Sonde Mars Express fliegt am 29ten sehr nahe (45 Km) am größeren der beiden Marsmonde, Phobos, vorbei. Die 27-18 Km große Kartoffel unterscheidet sich (im Gegensatz zum Erdmond) doch sehr deutlich vom Mutterplaneten: Sie ist dem der kohligen Chondriten vom Typ 2 (CM) sehr ähnlich, einem alten Bekannten. Also viel Tonminerale, aber in diesem Fall keine Wasserbänder – diese könnten dem Space Weathering zum Opfer gefallen sein. Diese Weltraumverwitterung wird durch Teilchen und Strahlung im Weltraum verursacht, die über die Jahrmilliarden ungeschützte planetare Oberflächen ziemlich angreifen kann – und so die spektralen Eigenschaften beeinflusst.

Deshalb dürften Phobos (und der ähnliche Deimos) wohl nicht dem Mars entsprungen sein – kohlige Chondrite sind, wir erinnern uns, sehr primitive Materialien, während das Material von der Oberfläche des roten Planeten (hoch) differenzierte planetare Kruste/Mantel darstellt, also komplett überarbeitetes Gestein.
Haben wir gar Proben von Phobos ? Ein Kandidat ist Kaidun, ein kohliger Chondrit der eigentlich eher aus Fragmenten aller Art besteht (also eine Breckzie). Da sich unter diesen Fragmenten auch diverses differenziertes (Typ Achondrit) befanden, lag der Schluss nahe, dass es sich hier um Auswurfsmaterial vom Mars handelte, welches auf den Monden endete. Allerdings deutet eine jüngste Studie nicht darauf hin.

Der Gale Krater auf dem Mars, basierend auf einer 3D Aufnahme mit der HRSC, kombiniert mit Daten aus weiteren Quellen.

Der Gale Krater auf dem Mars, basierend auf einer 3D Aufnahme mit der HRSC, kombiniert mit Daten aus weiteren Quellen.

Mars Express ist jetzt schon stolze 10 Jahre im Marsorbit, und immer noch aktiv. Kernstück der Sonde (natürlich sind noch viele andere tolle Instrumente drauf) ist wohl die High Resolution Stereo Camera (HRSC). Diese erlaubt es, dreidimensionale Aufnahmen mit einer Auflösung von bis zu 10 Metern auf der Oberfläche zu machen, was natürlich zu einer Flut an spektakulären (und wissenschaftlich ergiebigen) Bildern geführt hat.

Bei dem Vorbeiflug am 29. wird es leider keine Bilder geben, das Ding läuft zu schnell ab.

Mars Express führte übrigens auch einen Lander mit – Beagle 2. Wenn Werner Herzog eine Raummission durchgezogen hätte, wäre wohl genau das herausgekommen. Aber dazu später (viel) mehr.

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