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Dieses Jahr ist das 25te Jubiläum von zwei sehr zentralen Meteoritenfällen:
Murchison (18.9.) und Allende (8.2.). Aber wieso zur richtigen Zeit am richtigen Ort ? Wie sich nicht nur die etwas betagteren unter uns erinnern, fand 1969 auch ein weiteres, raumfahrttechnisch bedeutendes Ereignis statt. Für die Apollo Mondproben wurden einige Labore aufgerüstet, und da kamen frische Meteoritenproben zum Warmmessen gerade recht. Vor allem Allende war auch räumlich praktisch, Mexiko ist schon in akzeptabler Entfernung von z.B. Houston, wo damals ein eigentlich nur provisorisch gedachtes Labor für die Mondproben eingerichtet wurde. Heute ist am JSC eine der größten Meteoritensammlungen samt sehr modernen Labors permanent vorhanden.

(von Basilicofresco)

Murchison CM2 (von Basilicofresco)

Was aber macht die Proben so interessant? Zum einen, dass sie unmittelbar nach dem Fall eingesammelt wurden. Wie schon öfters erwähnt, ist unser blauer Planet nicht der beste Aufenthaltsort für extraterrestrische Materie. Der Forscher will halt die Proben so ’natürlich‘ wie halt nur möglich, und da sollte der Meteorit irdischen Witterungen nur möglichst kurz ausgesetzt gewesen sein. Das trockene Klima in beiden Fällen war ebenfalls hilfreich, so können selbst heute noch Proben eingesammelt werden (wenn auch nicht in der fast perfekten Qualität wie unmittelbar nach dem Einschlag). Gerade bei Murchison, der in Australien fiel, ist das sehr wichtig. Es handelt sich hier nämlich um einen CM2 Chondriten. Diese sind im wesentlichen Lehmklumpen, und enthalten zudem ordentlich organisches Material.

Und da will man doch sicher sein, das wirklich nix irdisches hängengeblieben ist. Bevor jemand vor Begeisterung durchdreht, organisch bedeutet hier natürlich nicht von außerirdischem Getier produziertes Zeug, sondern je nach Forschergruppe pristines, also ursprüngliches Material aus dem solaren Urnebel, oder organisches Material, dass auf dem Mutterkörper durch Wasser und Hitze verarbeitet wurde. Da Chondrite als Startmaterial gerade für die terrestrischen Planeten im Rennen sind, wäre das organische Material auch als Basis für die Organik denkbar, welches für das Leben auf der Erde natürlich notwendig ist. So wurde in Murchsion zum ersten Mal Amminiosäuren in Meteoriten nachgewiesen.

Wichtig auch die Materialmengen. Trotz der schon damals recht ausgereiften Untersuchungsmethoden, ist eine ordentliche Ladung Material wichtig – zum einen lässt sich die Probe in mehr Detail untersuchen. Gerade die Chondrite bestehen aus vielen, kleinen Bestandteilen (Chondren, CAI etc.). Da ist es schon prima, wenn man mehrere Proben hat, um repräsentative Mengen an Material zu haben. Wenn nur ein paar Gramm verfügbar sind, übersieht man leicht etwas.
Die Elektronenstrahlmikrosonde hatte etwa zu der Zeit ihren Durchbruch in den Geowissenschaften, auch gerade dank der Mondproben. Heute ist sie so etwas wie das Rückgrat der Meteoritenforschung, erlaubt sie doch die chemische Analyse mit einer räumlichen Auflösung von etwas unter 10 µm (das ist eine hundertstel Haarbreite).
Und da gibt es halt noch sehr destruktive Untersuchungsmethoden – also solche, bei denen die Probe mechanisch und/oder chemisch völlig zerlegt wird. Genau genommen bedeutet die Probenpräparation in der Regel immer Zerstörung – z.B. für eine polierte Probe für Mikrosondenuntersuchungen.
Manche hochpräzisen Isotopentechniken verlangen, dass die Probe ganz mit Säuren aufgelöst wird. Das sind zwar in der Regel weniger als ein Gramm, aber es gibt halt auch viele Maschinen die mit Proben gefüttert werden wollen.

Und für die Suche nach präsolaren Körnern, winzigen Partikeln aus Supernova Explosionen, wird gerne eine größere Menge Material mit Säure aufgelöst, um die korrosionsfesten Brösel zu finden.

Und eine große Menge Meteoritenmaterial heißt auch ganz einfach, dass man leichter an Proben herankommt. Die Meteoritenforschung hängt sehr stark von eher wenigen, interessanten Proben ab. Und wenn man an die nicht herankommt, läuft halt deutlich weniger.

Deutlich zu erkennen sind die hellen CAI (von Basilicofresco)

Deutlich zu erkennen sind die hellen CAI (von Basilicofresco)

Aber wieder zurück zu den Meteoriten. Allende ist ein CV3.2 Chondrit, also keiner von der matschigen Sorte. Am 8. Februar des absolut herausragenden Jahres in der Geschichte der Planetologie (Robert Hutchison) fiel sehr viel von diesem Meteoriten nahe einer Ortschaft Namens Pueblito de Allende in Mexiko. Bis heute wurde um die 2 Tonnen eingesammelt, aber es liegt nach wie vor Material herum.

So wir mit Murchison endlich ordentlich Material von einem Typ2 Chondriten vorhanden war (ca. 100 Kg), konnten man Dank Allende endlich mit einem Typ 3 so richtig in die Vollen gehen.

So spielt Allende eine wichtige Rolle in der Entdeckung (und Erforschung) der CAI (Calzium-Aluminium-reiche Einschlüsse). Diese entstanden sehr früh im Sonnensystem, ihre Bildung gilt als der Startschuss, die Stunde Null. Und diese liegt zurzeit bei knapp 4568 Millionen Jahren.

Dummerweise ist Allende trotz des Typ3 nicht ganz unalteriert, Typ 3.2 bedeutet, dass das Material schon ein wenig durch Hitze verändert wurde.

Trotz allem, diese beiden Proben alleine haben die Meteoritenforschung gewaltig voran gebracht, hoffentlich beglückt uns der nächste spektakuläre Fall mal wieder mit etwas ähnlich wichtigem (anstatt immer nur den üblichen Verdächtigen).

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