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Die Lunar and Planetary Society Conference (LPSC) ist die wohl wichtigste Tagung auf dem Gebiet der Planetaren Wissenschaften (natürlich mal wieder Ansichtssache). Aber zumindest was die nicht-Gasplaneten angeht, plus Kometen, Asteroiden, Staub etc.,
Also der beste Ort, um sich auf dem neuesten Stand auf dem Gebiet zu halten. Sehen und gesehen werden halt. Es sollte auch ein Anstieg an Pressemitteilungen in der Zeit davor/während erwartet werden.

Die Abstracts, also die Zusammenfassungen der geplanten Vorträge und Poster, ergeben ebenfalls einen ‘Schnappschuss’ was so geht im Moment.

Tag 1 deckt schon die ganze Bandbreite des Gebietes ab – viel Mars, aber auch Mond, Venus (eher etwas stiefmütterlich behandelt zur Zeit), Vesta und Ceres (gerade wegen Dawn), Titan, aber auch präsolare Körner, also was vom ganz anderen Ende des Feldes.

Die Session (Sitzung) TISSINT: SHOCKING RESULTS AND SCIENTIFIC IMPACTS
Beschäftigt sich mit eben diesem Marsmeteoriten. Wir erinnern uns, das Ding fiel 2011 in Marokko, und wurde schnell eingesammelt, also fast so was wie eine Sample-Return Mission. Die Probe wurde ordentlich durchgemessen, aber so richtig bahnbrechendes scheint nicht herübergekommen zu sein, es ist halt ein einigermaßen gewöhnlicher Shergottit. Auch die erhofften spektakulären astrobiologischen Ergebnisse sind ausgeblieben. Dennoch, ein paar interessante Einsichten gibt es doch. SHOCK EFFECTS IN TISSINT: EVIDENCE AGAINST A LONG DURATION SHOCK AND LARGE IMPACTING BODY von Sharp et al. (Abstract #2820) beschäftigt sich mit der Frage, ob man aus dem Meteoriten Hinweise auf den Einschlag, welcher ihn in den Weltraum schleuderte, finden kann.
In Schmelzgläsern fanden sich tatsächlich Minerale, die bei sehr hohen Drücken entstehen: Maskelynit, Ringwoodit, and Jadeit. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf Druck, Dauer des Schocks und Abkühlung ziehen. Sharp et al kommen zum Schluss, das Tissint bei einem Einschlag eines Körpers deutlich unter 10 Km entstand.

Dafür hat sich ein anderer Marsmeteorite als sehr interessant erwiesen:NORTHWEST AFRICA 7034 AND PAIRINGS: INSIGHTS INTO THE RED PLANET FROM THE BLACK BEAUTY.Dieser scheint einigermaßen von der Oberfläche zu kommen, erlaubt also die Studie der Bedingungen dort zu seiner Auswurfszeit: EVALUATING POTENTIAL ALTERATION PRODUCTS OF NWA7034: EXPANDING OUR KNOWLEDGE OF MARTIAN CRUSTALALTERATION ASSEMBLAGES. S. P. Schwenzer [Abstract 1718].

Die Session Mars Noachian and Hesperian Compositional Perspectives gibt einen Einblick in die Oberflächenprozesse, die die Sedimente auf dem Mars bildeten, also den Einfluss von Wasser auf Gestein.

Die neuesten Ergebnisse des Fuhrparks auf dem roten Planeten gibt es in Session MARS ROVER SCALE GEOLOGY AND GEOMORPHOLOGY. Sicher auch viele schöne Bilder.

SPECIAL SESSION: NEW PERSPECTIVES OF THE MOON: ENABLING FUTURE LUNAR MISSIONS bietet einen Apollo-Astronauten als Vortragenden: Harrison Schmitt: Apollo 17: New Insights from the Synthesis and Integration of Field Notes, Photo-Documentation, and Analytical Data [Abstract #2732]. Ansonsten ein Überblick, wie die Ziele für zukünftige Mondmissionen ausgewählt werden, z.B. Geology of the Lunar Glob Landing Sites in Boguslawsky Crater, Moon [Abstract#2370] von Hiesinger et al.

Titan ist leider nicht so mein Gebiet, aber es geht einiges in Session SPRINGTIME FOR TITAN’S LAKE DISTRICT: GEOGRAPHY, CHEMISTRY, AND DYNAMICS.

Präsolare Körner sind ebenso ein faszinierendes Gebiet, Staub der bei Supernova Explosionen entstand oder von roten Riesen ins All geblasen wurde. Aber sehr kompliziertes Isotopenzeug in Session PRESOLAR GRAINS.

VESTA AND CERES ist sowas wie die Stabübergabe in der Dawn Mission. Die umfangreichen Daten von Vesta sind jetzt zum ersten Male durchgekaut, und das Gesamtbild wird zusammengesetzt. Und einige machen sich schon ernsthafte Gedanken über das nächste Ziel, Ceres, einschließlich eines Haikus zum Abstract#1649, Rivkin and Asphaug The Case of the Missing Ceres Family:
Ceres’ paradox / Goddess of fertility / Yet no family
Ceres hat keine eigene ‘Familie’ an ähnlichen Asteroiden wie Vesta, wofür es eigentlich keinen Grund geben sollte.

In Session VENUS: A RIDDLE WRAPPED IN A MYSTERY INSIDE AN ENIGMA modellieren Weller und Lenardic die unterschiedlichen tektonischen Geschichten der terrestrischen Planeten [Abstract 1576]. Ivanov und Head kommen zu dem Schluss, dass der Großteil der Venusoberfläche ziemlich alt ist: THE HISTORY OF TOPOGRAPHY ON VENUS [Abstract 1079].

In EMERGING WORLDS: HOW TO MAKE A PLANET geht es um die Zutaten in der Planetenbildung, sowie frühe Schmelzprozesse und Kernbildung. Kendall und Melosh überlegen sich dann gleich, wie man einen Kern wieder kaputtmacht: DISPERSION OF PLANETESIMAL IRON CORES DURING ACCRETIONAL IMPACTS [Abstract 2827].

Das war das Programm für Montag, Dienstag folgt demnächst.

2 Kommentare zu “Was so gerade abgeht: Vorschau 45th Lunar and Planetary Science Conference 2014 (1) – Viel vom Mars

  1. Pingback: Tagungen (Mal wieder): Vorschau Jahrestagung der Meteoritical Society 2014 | EXO- PLANETAR

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