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Und weiter im Text. Lunar and Planetary Science Conference, Dienstag. Wieder ein schöner Querschnitt durch die Planetologie.

Eine ganze Session über die Exosphäre des Mondes, basierend auf den Daten der LADEE Sonde:
SPECIAL SESSION: LUNAR DUST AND EXOSPHERE FEATURING THE FIRST RESULTS FROM LADEE. Nicht so mein Gebiet (was aber nicht abwertend gemeint ist).

Natürlich was zum Mars, wo kämen wir den ohne unsere rote Gesteinskugel hin: MARS PETROLOGY AND PETROGENESIS. Dieses Mal geht es um Gesteinsbildung und Alter. Mal wieder ein neuer Marsmeteorit, dieses mal ein ziemlich alter Shergottit: THE AGE AND SOURCE COMPOSITION FOR DEPLETED SHERGOTTITE NORTHWEST AFRICA 7635: A 2.3 Ga MAGMATIC ROCK FROM EARLY AMAZONIAN MARS von Righter et al. [Abstract 2550].

Und noch eine neuer, vielleicht ein eigenständiger Basalt: DISCOVERY OF A NEW MARTIAN METEORITE TYPE: AUGITE BASALT – NORTHWEST AFRICA 8159 von Agee et al. [Abstract 2036].

Dann weiter zu den Calcium Aluminium-rich Inclusions, auch liebevoll CAIs genannt: REFRACTORY INCLUSIONS. Die ältesten Mitbürger unseres Sonnensystems. Mal wieder eine Isotopenorgie, aber was muss das muss. Um die Sauerstoffisotopie zu erklären, haben Veteran Joe Nuth III und Paquette ein Modell erstellt das auf Blitze im zirkumstellaren Staub zurueckgreift: HOW MUCH DUST CAN BE PROCESSED BY A SINGLE LIGHTNING BOLT IN THE SOLAR NEBULA? [Abstract 1132]

Schwankungen in der Sauerstoffisotopie innerhalb von einzelnen CAIs müssen auch erklärt werden, dank der Ionensondentechnologie (SIMS) scheint da ein richtiger Trend ausgebrochen zu sei, z.B. Simon et al.: HETEROGENEOUS OXYGEN ISOTOPIC COMPOSITION OF A COMPLEX WARK-LOVERING RIM
AND THE MARGIN OF A REFRACTORY INCLUSION FROM LEOVILLE
[Abstract 1233] interpretieren das damit, dass die Teilchen durch verschiedenen Bereiche des jungen Sonnensystems transportiert wurden, die verschiedene Isotopenzusammensetzungen im Gas und Staub hatte. Das würde gut zu Modellen passen, die einen Materialtransport vom inneren ins äußere Sonnensystem postulieren.

Nach all dem Kleinkrams sehnt man sich nach was richtig spektakulärem, IMPACTS I: THEORY AND MODELS kommt da genau richtig. Und hier geht es gleich um richtig, große, Planetenzerlegende Kollisionen, Herz was willst Du mehr.

Stewart et al. bescheiden sich noch damit, nur Atmosphäre und vielleicht Ozeane in den Weltraum zu blasen: ATMOSPHERIC LOSS AND VOLATILE FRACTIONATION DURING GIANT IMPACTS [Abstract 2869], zumindest letztere scheinen recht beständig an Planeten zu kleben.

Dann werden aber größere Geschütze aufgefahren: Kraus et al. verdampfen mal kurz die Eisenkerne ganzer heranwachsender Planeten in Kollisionen: VAPORIZATION OF PLANETESIMAL CORES DURING ACCRETION [2888], was deutlich einfacher zu sein scheint als bisher angenommen. Herausgefunden wurde das durch Laborexperimente, bei denen mittels einer ominösen Z Maschine Projektile auf Eisen geballert wurden. Manche Leute haben all den Spaß.

Sarid et al., zertrümmern dann gleich den ganzen Merkur in ihren Modellen: MERCURY, THE IMPACTOR [Abstract 2723] postuliert einen Auffahrunfall von Klein-Merkur mit einem größeren Planeten, bei dem Merkur den Kürzeren zog und ordentlich Mantelmaterial verlor. Im frühen Sonnensystem ging es zu wie auf dem Schulhof.

Wieder geruhsamer geht es dann in der SPECIAL SESSION: STRUCTURE AND EVOLUTION OF PLANETARY BODIES: A GEOPHYSICAL PERSPECTIVE zu.
Planeteninneres, Konvektion und so, was zum entspannen.

Ebenso in der Session LUNAR GEOPHYSICAL EVOLUTION: GRAIL AND MORE.

SPECIAL SESSION: FLUIDS ON DIFFERENTIATED BODIES. Hier geht es um Wasser auf differenzierten Körpern, nicht nur auf Erde und Mars, sondern auch etwas kleineren wie Vesta. Scully et al. interpretieren Strukturen auf letzterem als Anzeichen von durch Impakten verflüssigtem Eis: SUB-CURVILINEAR GULLIES INTERPRETED AS EVIDENCE FOR TRANSIENT WATER FLOW ON VESTA [Abstract 1796].

Also nächstes mal wieder was Epischeres: STRUCTURE AND EVOLUTION OF SOLAR SYSTEMS. Man beachte den Plural.
Frank et al. machen sich darüber Gedanken, wie die isotopische Entwicklung unserer ganzen Galaxis (!) die thermischen Eigenschaften von verschiedenen Planetengenerationen beeinflusst: A RADIOGENIC HEATING MODEL FOR COSMOCHEMICALLY EARTH-LIKE EXOPLANETS [Abstract 2209].

Dann wieder ein Vorstoß in die Winzigkeit: STARDUST MISSION AND COSMIC DUST. Die Größenordnungen purzeln nur noch so, die teuren Ionensonden werden mal wieder aufgefahren.

Ganz am Anfang der Session ein Vortrag mit einer langen Autorenliste: Westphal et al. (über 30000 Autoren !!) fassen die Ergebnisse für die interstellaren Teilchen aus der Stardust-Mission zusammen. Leider wurden nur 7 sichere Kandidaten für Staub aus anderen Sonnensystemen eingefangen, dieses aber wurde dafür ordentlich durch die analytische Mangel genommen. FINAL REPORTS OF THE STARDUST ISPE: SEVEN PROBABLE INTERSTELLAR DUST PARTICLES.[Abstract 2269].

Einen Überblick über nicht-planetenzerfetzende Impakte bietet Session IMPACTS II: ANALYSES, EXPERIMENTS, AND FIELD STUDIES.

Dann kommen noch die Eismonde dran: ENCELADUS AND FRIENDS: TECTONICS ON ACTIVE ICY BODIES. Kattenhorn und Prockter spekulieren über Eistektonik auf Europa: SUBDUCTION ON EUROPA: THE CASE FOR PLATE TECTONICS IN THE ICE SHELL [Abstract 1003].

Dann noch die Posters Session, darüber mehr später.

Ein Kommentar zu “Was so gerade abgeht: Vorschau 45th Lunar and Planetary Science Conference 2014 (2) – Impakte und Kollisionen

  1. Pingback: 45th Lunar and Planetary Science Conference 2014 – Nachbereitung (2): Lunarer Schlagabtausch | EXO- PLANETAR

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