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Und jetzt die Poster Session. Anstatt sich den Kollegen für eine Viertelstunde frontal mit einem Vortrag zu präsentieren, steht man zwei-drei Stunden vor einem etwa einen Quadratmeter großen Poster, welches in einer kreativen Meisterleistung auf den letzten Drücker mit PowerPoint oder so zusammengeklickert wurde.
Manchmal interessieren sich gar Leute für das Poster manchmal steht man einfach nur so traurig (ggf. mit Bier in der Hand, aber das ist nicht mehr umsonst wie früher wegen der Einsparungen) herum, oder es kommen halt Bekannte vorbei, um mit einem zu tratschen. Nach 15 Jahren in der Branche kennt man einige Leute nur von solchen Begegnungen auf Tagungen.

Die LPSC hat zwei Poster Sessions, und beide sind sehr umfangreich, eine große Halle in einem Konferenzzentrum füllend.

Poster sind übrigens nicht schlechter gegenüber Vorträgen, manche bevorzugen diese Präsentationsform (ist in der Regel etwas nervenschonender).

Die erste Posters Session am Dienstag bietet diverses zum Thema Public Outreach, also Öffentlichkeitsarbeit. Das ist ein immer wichtiger werdendes Thema, auch wenn es ein wenig überhand nimmt.

Dann einiges zum frühen Sonnensystem. Zum Beispiel eins von meinen Postern [Abstract 1770], aber auch wieder viel zum Thema Isotopen in allen Farben und Größen. In CAIs und Chondren.

Dazwischen eingeklemmt einiges zu neuen Analysetechniken – eine Super-SIMS in Chicago von Stephan et al [Abstract 2242]: CHILI — The Final Stages of Building a Challenging Instrument, oder ziemlich neu im Gebiet die Atom-Probe von Heck et al. [Abstract 1811]: ATOM-PROBE TOMOGRAPHY IN COSMOCHEMISTRY. Damit kann man kleine Proben mit atomarer Auflösung scannen. Das ist vor allem für winzige präsolare Körner von Nutzen.

Ein anderes, unterschätztes Problem, nämlich das der Kontamination bei der Probennahme im Weltraum, wird von Henkel und Lyon, ORGANIC MATERIAL IN AEROGEL SAMPLES FROM THE STARDUST MISSION [Abstract 2655] behandelt.

Bei den Postern über planetare Differentiation ein Poster über Impaktexperimente, was passiert wenn chondritische Planetesimale mit eisenreichen zusammen krachen: MELTING AND MIXING OF Fe/Ni PROJECTILES AND CHONDRITIC-LIKE TARGET BODIES DURING IMPACT [Abstract 1850] von McDermott et al.

Die Poster über Impakte geben einiges interessantes her. Bowling und Johnson machen sich Gedanken wo den die ganzen Krater hin sind und was sich daraus über die Erosion über lange Zeiträume herausfinden lässt: WHERE HAVE ALL THE CRATERS GONE? [Abstract 2414] .

Lock et al. [Abstract 2843] fragen sich: WAS THE ATMOSPHERE LOST DURING THE MOON-FORMING GIANT IMPACT? Antwort: nicht unbedingt.

Shuvalov und Svetsov [Abstract 1086] kommen zum Schluss, dass kleinere Impaktoren (so um die 50 Meter) viel gefährlich sind, als man denkt: RISK ASSESSMENTS FOR SMALL ASTEROID IMPACTS ON LAND.

Mond-Rover CHANG’E 3 hat schon eine eigene Poster Session gleichen Namens, mit ersten Ergebnissen.

Generell, viel über den Mond in der ersten Poster Session, im Wesentlichen halt die den Vortrag-Sessions entsprechenden Posterrunden. Die Tagung ist groß geworden, also kriegt nicht jeder einen Vortrag, sondern muss sich mit einem Poster begnügen (nur dass da halt auch nicht mehr viel Platz ist).

Auch einiges zu Analogen für extraterrestrisches Material oder gar Orten. Wenn man nicht so einfach hinfliegen kann, muss man halt seine Ideen ‚vor Ort‘ testen. Arp und Head [Abstract 1257] benutzen das gute, alte Nördlinger Ries um die Entwicklung noch feuchter Krater auf dem Mars nachzuvollziehen: POST-IMPACT CRATER LAKE FORMATION ON EARTH & MARS: STAGES IN THE EVOLUTION FROM CLOSED-BASIN TO OPEN-BASIN LAKE IN THE RIES CRATER, GERMANY.

Oder ein Spektrometer wird auf einem Rover in der Atacama Wüste in Chile getestet [Abstract 2428], AUTOMATED CORE SAMPLE ANALYSIS BY THE MARS MICROBEAM RAMAN SPECTROMETER (MMRS) ON-BOARD THE Zoë ROVER IN ATACAMA: A TERRESTRIAL TEST FOR MARS
EXPLORATION
von Wei et al. Nur ein paar Beispiele, es passiert viel in der Richtung.

Und dann halt Mars. Viel Mars. Kreisch ! Das meiste der Oberflächenstudien verstehe ich einfach nicht, eine ganz andere Schiene halt von meiner. Aber auch einiges über Mineralogie und Petrologie für Steineklopfer wie mich.

So untersuchen Beck et al. In HYDRATION OF THE DARK METEORITE AND THE RED PLANET [Abstract 2097] die ‚Black Beauty‘ Mars-Meteorite NWA7034, NWA7533 und NWA 7455 erfolgreich auf Wasserspuren und identifizieren sie als die bisher höchst-oxidiertesten Marsmeteorite.

Dagegen sind sich Stephen und Ross gar nicht mal so sicher, ob das Ding wirklich vom Mars ist: EXAMINING THE PETROLOGY OF “MARTIAN” METEORITE NWA 7034; A POLYMICT FRAGMENTAL BRECCIA [2924].

Dann geht es in Richtung Asteroidengürtel: Die Daten von Dawn über Vesta geben einige Rätsel auf, z.B. was den gewissen Mangel an Olivin, von dem man mehr erwartet hätte, betrifft: Ruesch et al. [Abstract 1715]
DISTRIBUTION OF THE NEAR-IR SPECTRAL SIGNATURE OF OLIVINE ON VESTA WITH VIR/DAWN DATA: THE ULTRAMAFIC SIDE OF VESTA’S SURFACE.

Dann noch die klaren Kugeln des äußeren Sonnensystems. Die Entdeckung von Wasserdampf um Europa wird natürlich behandelt: Europa’s UV Aurora: Following up on the Discovery of the South Polar Water Vapor Plumes with HST/STIS von Roth et al. [Abstract 1488]. Und ähnliches für Enceladus.

Dann, zum Abschluss (wahrscheinlich in einer abgelegenen Ecke, wo man erst hinkommt wenn das Bier ausgeht) die
PLANETARY MISSION CONCEPTS. Alles von schon ausgereiften Projekten bis hin zu Raumsonden, in den allerfrühesten Stadien oder gar nur Vorschlägen was man den so machen könnte. Wer gerne tagträumend Raumschiffe auf Servietten zeichnet, ist hier in seinem Element (das soll jetzt nicht abwertend gemeint sein, Ich mache das auch). Immerhin ist auch Beagle 2 so entstanden.

CubeSats sind in Mode, billige, aus Standardteilen gebaute Satelliten. Unter anderem Lee et al. [Abstract 1783] wollen das Konzept auch für lunare Forschung anwenden: A CUBESAT MISSION FOR KOREAN LUNAR EXPLORATION.

Elkins-Tanton et al. Entwerfen eine Mission zu Psyche, praktisch ein großer Metallklumpen [Abstract 1253]:
JOURNEY TO A METAL WORLD: CONCEPT FOR A DISCOVERY MISSION TO PSYCHE.

Das war die Poster Session für Dienstag.

Ein Kommentar zu “Was so gerade abgeht: Vorschau 45th Lunar and Planetary Science Conference 2014 (3) – Poster Session

  1. Pingback: 45th Lunar and Planetary Science Conference 2014 – Nachbereitung (2): Lunarer Schlagabtausch | EXO- PLANETAR

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