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Donnerstagabend. Informeller Höhepunkt der Tagung ist wohl die POSTER SESSION II. Bevor die Meute über den Freitag auseinanderläuft, sind nochmal alle Leute auf einem Haufen, letzte Gelegenheit, diverse Leute zu sehen, oder selbigen aus dem Weg zu gehen.Gerne auch mit dem Bier (oder Glas Wein) in der Hand, dass allerdings nicht mehr gratis ist wie früher, sondern massiv überteuert (ca. 5 US$ pro Flasche Leichtbier).

Viel zum Merkur: Session MERCURY. Meteorite vom Merkur – das Thema ist gerade generell aktuell, siehe NWA7325. Vaughn und Head machen sich dazu Gedanken in CRITERIA FOR IDENTIFYING MERCURIAN METEORITES [Abstract 2013].
Und dann auch was zur ESA/JAXA-Mission zum Merkur, BepiColombo: The Mercury Thermal Radiometer and Thermal Infrared Spectrometer (MERTIS) for BepiColombo: A status report, von Hiesinger et al. [Abstract 1912]. MERTIS ist der Infrarot-Spektrometer an Bord der Sonde.
Was man mit den gewaltigen Datenbergen der Messenger-Mission zum Merkur (noch laufend) anstellen kann, zeigen Izenberg et al. [Abstract 1216] in CORRELATION OF MERCURY SPECTRAL UNITS WITH GEOLOGY AND ELEMENTAL ABUNDANCE sowie D’Amore et al. in UNSUPERVISED CLASSIFICATION OF MERCURY’S VISIBLE–NEAR-INFRARED REFLECTANCE SPECTRA: COMPARISON WITH MAJOR ELEMENT COMPOSITIONS [Abstract 1073]. Mit Hilfe statistischer Methoden kann noch einiges aus dem Datensatz gezogen warden.

In AIRLESS BODY REGOLITH PROCESSES AND PRODUCTS geht es darum, was Partikel und Strahlung so mit den ungeschützten Mineralen an der Oberfläche atmosphäreloser Körper anstellen.

Dann ein lunarer Nachschlag in LUNAR VOLATILES: IMPLANTED, ACCUMULATED, AND ENDOGENOUS, PETROLOGY AND GEOCHEMISTRY und PROTOLUNAR DISK AND MAGMA OCEAN: MODELS AND SAMPLE CONSTRAINTS. Da ist für jeden etwas dabei. Teodoro et al. modellieren die mondbildenden Kollision in einem hochaufgelösten Model mit 100 Millionen Partikeln, und präsentieren erste Schnappschüsse in A One Hundred Million SPH Particle Simulation of the Moon Forming Impact [Abstract 2703].

Veteran Colin Pillinger et al. feilen noch ein wenig an den zentralen Sauerstoff-Isotopendaten in THREE ISOTOPES OF OXYGEN IN LUNAR SAMPLES – THE SAME AS EARTH OR DIFFERENT? [Abstract 2654], beginnend mit der ernüchternden Einsicht das “As a result of the present uncertainty we are left in the somewhat embarrassing situation that, forty-five years after Apollo 11, we have yet to establish satisfactorily the origin of the Moon.” Dann mal viel Glück.

Dann wieder viel vom Mars, vor allem Oberflächenprozesse, vor allem in Zusammenhang mit Wasser und Eis. Das geht hin bis zu atmosphärischen Angelegenheiten wie Dust Devils, kleinen Windhosen. Ein schönes Beispiel mit Bildern von Dennis Reiss [Abstract 2011], MORPHOLOGY, FORMATION AND DISTRIBUTION OF DUST DEVIL TRACKS ON MARS: INSIGHTS FROM TERRESTRIAL ANALOGS.

Danach erwartet den wackeren Tagungsteilnehmer die ganze Bandbreite an Meteoriten, von primitiven kohligen Chonditen bis hin zu den Achondriten. Sehr viel petrologische Detailarbeit in den Sessions AQUEOUS ALTERATION ON PARENT BODIES, THERMAL AND SHOCK METAMORPHISM OF ASTEROIDS und CHONDRITES: MATRIX, WATER, AND ACCRETING PARENT BODIES. Hochaufgelöste Isotopenanalysen in CHONDRITIC CARBON, ORGANICS, AND Q. Ionensonden wie die NanoSIMS scheinen zurzeit überall aus dem Boden zu schießen.

Die ACHONDRITES hat einige Poster zum potentiellen Merkur-Meteoriten NWA7325: Hasegawa et al. in PETROLOGY AND MINERALOGY OF UNGROUPED ACHONDRITE NWA 7325 [Abstract 1865] und Goodrich et al. in
PETROLOGY OF THE NWA 7325 UNGROUPED ACHONDRITE − METEORITE FROM MERCURY, THE UREILITE PARENT BODY, OR A PREVIOUSLY UNSAMPLED ASTEROID? [1246].

Die eher vernachlässigten Eisenmeteorite bekommen ein wenig Aufmerksamkeit in der PLANETARY CORES: DATA FROM IRON METEORITES Session.

Eine schöne Überleitung zu den Asteroiden ist die Session THE CHELYABINSK METEORITE: STUDIES OF A TRULY NEAR-EARTH OBJECT. Schon wieder ein Jahr her, der Fall, wie die Zeit vergeht.
Die in großen Mengen vorhandenen Proben des frischen Falls sind natürlich ein gefundenes Fressen für die Meteoritenforscher, auch wenn es sich um einen der normalerweise nicht sooo spektakulären LL5 Chondrite handelt. Reddy et al. [Abstract 1399] suchen in IMPACT MELT ORIGN OF BAPTISTINA ASTEROID FAMILY: LESSONS FROM THE CHELYABINSK METEORITE FALL nach der Herkunft des Meteoriten, und spekulieren über einen Zusammenhang mit den Flora and Baptistina Asteroiden (der möglichen Quelle für den Asteroiden des K/T Einschlags der die Saurier weggrätschte). Hört sich ein wenig zu spekulativ für meine Ohren an, aber die Arbeitsgruppe ist seriös.

Auch Itokawa, besucht von Hyabusa, gibt noch einiges her, Ergebnisse der laufenden Untersuchungen der Asteroiden-Brösel und des Orbiters in der Session ASTEROID ITOKAWA STILL AMUSES: DATA FROM ORBIT AND THE LAB. Eine schöne Spektrometer-Karte der Oberfläche erlaubt, Labormessungen der ZURÜCKGEBRACHTEN Mineralproben mit der gesamten Oberfläche zu Vergleichen: Le Corre et al. in PROCESSING HAYABUSA NIRS SPECTROMETER DATA FOR COMPOSITIONAL ANALYSIS OF ASTEROID ITOKAWA [Abstract 1314].

Der Tscheljabinsk-Fall passt dann auch gut zur nächsten Session, wo der Planet for finsteren Asteroiden und Kometen geschützt wird: NEOS, METEORS, AND HAZARD MITIGATION: WHEN THE SOLAR SYSTEM WANTS TO CRASH AT YOUR PLACE.

Howley et al. ballern z.B. in ASTEROID THREAT MITIGATION: AN IN-DEPTH LOOK AT WHAT CAN BE DONE IN THREE REAL-OBJECT SCENARIOS [Abstract 2276] aus allen Rohren (nuklear und kinetisch)

Die Kometen-Session COMETS: PERIHELIAL PLUMAGE ON PARADE konzentriert sich natürlich auf Arbeit zur anstehenden Rosetta Mission zu 67P/Churyumov-Gerasimenko, sowie auf Komet ISON.
Lisse et al. berichten von den Ergebnissen der Beobachtung mit dem Chandra Röntgenteleskop, [Abstract 2065] Chandra X-ray Observatory Observations of Dynamically New Comet C/2012 S1 (ISON): First Detection of OVI Emission By the HRC-I From an X-ray Bright Comet.

Wem jetzt die Puste ausgeht – keine Panik, wir sind fast schon durch, in den Randgebieten der Poster Halle sozusagen.

Noch mal eine paar Reihen Poster für die Kleinen: SMALL BODY OBSERVATIONS: REFLECTIONS, INSPECTIONS, AND COMPUTATIONS und
LUMPING AND SPLITTING OF SMALL BODIES: CRATERS, GROOVES, REGOLITH, AND BODY DYNAMICS.

Viel Fernerkundung, also Spektroskopie von Asteroiden. Auf einem bin auch Ich drauf: Daswani et al. MID-INFRARED REFLECTANCE SPECTROSCOPY OF CALCIUM-ALUMINIUM-RICH INCLUSIONS: A WAY TO DETECT PRIMITIVE ASTEROIDS? [Abstract 2436].Wie können Laboruntersuchungen von Meteoriten mit den astronomischen Beobachtungen korreliert werden ?

Ramsley und Head III kommen in MARS EJECTA IN THE REGOLITH OF PHOBOS: IMPLICATIONS FOR GROOVE FORMATION FROM SECONDARY IMPACTS [Abstract 1406] zu dem Schluss, dass Phobos, dass doch nicht so viel Material vom Mars auf Phobos gelandet ist wie angenommen.

Dann noch sehr, sehr viele Poster zum Vulkanismus aus anderen Welten (plus der Erde): PLANETARY VOLCANISM: IO AND MARS sowie PLANETARY VOLCANISM: MOON AND EARLY EARTH.

Und natürlich Astrobiologie, das große In-Thema zurzeit: FORMATION OF HABITABLE WORLDS AND FATE OF HABITABLE ENVIRONMENTS und TECHNIQUES AND CHALLENGES IN THE SEARCH FOR LIFE BEYOND EARTH.

Einiges an Experimenten, was Weltraumstrahlung mit primitiver Organik anstellen kann, z.B. in Eis im Molekülwolken: Sandford et al. [Abstract 2461] FORMATION OF NUCLEOBASES FROM THE UV IRRADIATION OF PYRIMIDINE IN ASTROPHYSICAL ICE ANALOGS.
Oder der Einfluß von Fischer-Tropsch Prozessen: Johnson et al. [Abstract 2702] RATE COMPARISONS OF MAGNETITE AND IRON CATALYSTS DURING FISCHER-TROPSCHTYPE REACTIONS.
Dann fasert die Sache aus: Noch ein Tektonik-Nachschlag in PLANETARY TECTONICS AND DYNAMICS, diverses zur Kartierung von Oberflächen in PLANETARY MAPPING, REMOTE SENSING, AND ASTROGEOLOGY: DATABASES, TECHNIQUES, AND TOOLS.

Zum Abschluss noch Weltraummissionen: die gute, alte Genesis Sonde gibt immer noch was her: GENESIS, trotz der verunglückten Landung. Totgesagte leben halt länger, und eine wirklich tolle Leistung der beteiligten Wissenschaftler, die sich nicht haben unterkriegen lassen.

Und dann noch INSTRUMENT AND PAYLOAD CONCEPTS. Interessant z.B. ein von der NASA und der Uni Hawaii entwickeltes Gerät zur schnellen Identifikation von Lebenspuren von Misra et al. [Abstract 1498]:
“STANDOFF BIOFINDER” FOR FAST, DAYTIME, LARGE AREA DETECTION OF BIOLOGICAL MATERIALS WITHOUT SAMPLE COLLECTION. Recht viele interessante Studien, da werde ich wohl länger herumhängen. Leider werden es die meisten wohl nicht auf einen anderen Planeten schaffen, wegen zu wenig Geld etc.

Das war dann auch die zweite Poster Session (Schweiss von der Stirn wisch). Ziemlich gehaltvoll, aber auch erschöpfend im virtuellen Rundgang. Zeit für ein Bier.

Als nächstes folgt Freitag.

Ein Kommentar zu “Was sonst so abgeht – Vorschau 45th Lunar and Planetary Science Conference 2014 (6) – Poster Session II

  1. Pingback: 45th Lunar and Planetary Science Conference 2014 – Nachbereitung (2): Lunarer Schlagabtausch | EXO- PLANETAR

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