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Und dann mal wieder Astrobiologie. Nicht dass ich etwas dagegen hätte, wenn auf einem Nachbarplaneten Leben entdeckt werden würde. Allerdings ist das Forschungsgebiet recht anfällig für Schnellschüsse(siehe die Angelegenheit 1996). Denn wer auch immer als erstes extraterrestrisches Leben nachweisen könnte, hätte sicher eine der meistzitierten Veröffentlichungen aller Zeiten auf der Literaturliste. Das macht sich in einem akademischen Lebenslauf sicher gut. Aus diesem Grunde ist Skepsis bei Entdeckung auf diesem Gebiet angebracht, wenn schon Freudentaumel dann auch bitte mit Grund.

So hat eine Arbeitsgruppe von NASA Wissenschaftlern vom Jet Propulsion Laboratory und dem Johnson Space Center in Houston ein Paper zu dem Thema herausgebracht: Putative Indigenous Carbon-Bearing Alteration Features in Martian Meteorite Yamato 000593 von White et al., im Journal Astrobiology.

Darin berichtet die Gruppe von der Entdeckung von ‚indigenous organic matter‘, also organischem oder kohlenstoffhaltigem Material vom Mars in einem Marsmeteoriten, Yamato000593. Das an sich ist, wie die Autoren auch anmerken, möglicherweise nicht ganz neu.

‚Trockene‘ Minerale haben die die Angewohnheit, sich bei Kontakt mit Wasser zu zerlegen und neue Minerale zu bilden. Findet man solche, hat man logischerweise einen Hinweis auf das Vorkommen von Wasser.
Die Studie konzentriert sich auf feinen Spaltrisse in Olivin, einem völlig gewöhnlichen eisen- oder magnesiumhaltigen Silikat, ein Durchläufer auf mineralogisch. In sehr feinen Spaltrissen in solchen Olivinkörnern in Y000593 wurden Füllungen mit einem solchen Sekundärmineral gefunden: Iddingsit.

Besonders die ‚Micro-Tunnels‘ voll mit Iddingsit haben es den Autoren angetan. Diese Tunnel sind haben Durchmesser von weniger als einem Mikrometer (also etwa einem tausendstel eines Haares), und bohren sich senkrecht von den Spaltrissen einige 10 Mikrometer in die Olivine hinein.
Iddingsit ist ein übles Gebräu kein Mineral, sondern eine Mixtur, sehr feinkörnig und schwer zu Analysieren. Es besteht aus Schichtsilikaten, ähnlich den Tonmineralen (also im Prinzip Lehm oder Matsch, halt sehr feinkörnig). Dazu kommt noch anderes Zeug: Eisenoxide (also Rost) sowie Karbonate und Sulfate. Und irgendwie darin versteckt sich der Kohlenstoff.

Iddingsit kann sich problemlos ohne die Hilfe von Lebensformen bilden (wird auch im Paper klargemacht). Es ist die Form der Mikrotunnel, die laut White et al. ähnlich derer ist von solchen Tunneln, die bei der Verwitterung von Gestein durch Mikrorganismen beobachtet wurden. Zudem scheint sich der Kohlenstoff unabhängig von Mineralen zu verteilen, also eine eigenständige Komponente zu bilden.
Das wird als erster potentieller Hinweis auf Lebensspuren aufgeführt. Der zweite sind kleine, kohlenstoffreiche (wieder deutlich unter einem Mikrometer große) Kügelchen in hochauflösenden Aufnahmen, die zwischen den Iddingsit und anderen Mineralkörnern vorkommen.
Die Autoren kommen zu dem Schluß, dass dies alles zumindest möglicherweise auf den Einfluss von Mikroorganismen bei der Alteration der Olivinkörner hindeutet.

Die Vorsicht ist meiner Meinung auch angebracht, denn mich persönlich hat das nicht wirklich überzeugt. Ein Kernproblem bei der Studie ist meiner Meinung, dass sie sich nur auf eine Analysetechnik stützt – Rasterelektronenmikroskopie (REM) mit EDX (Damit wird die Chemie aufgrund von Röntgenstrahlen bestimmt). REM/EDX ist an sich eine feine Technik, sehr ausgereift und praktisch das Rückgrat der analytischen Planetologie. Allerdings ist die Technik für die Identifikation von Lebensspuren an sich nicht ganz so geeignet. Man kann mit dem für die Studie verwendeten System zwar Kohlenstoff nachweisen, aber dass war es dann halt. Auch ist die räumliche Auflösung der chemischen Analysen mit EDX im Vergleich zu den untersuchten Strukturen eher zu groß: 0.1 – 1 Mikrometer – da muss man schon genau zielen.
Ich frage mich, wieso die Autoren sich die kohlenstoffreichen Phasen nicht genauer mit einer spezielleren Technik angeschaut haben, z.B. Ramanspektroskopie oder SIMS. Damit hätte man im ersteren Fall Informationen über die Struktur der Phasen erhalten, mit letzterer hätte man z.B. die Isotopenzusammensetzung des Kohlenstoffs analysieren können, was Hinweise auf die Herkunft liefern würde. Die Arbeitsgruppe hat zumindest am JSC in Houston zugriff auf eines der besten Labors in der Kosmochemie. Das auf der einen Seite die Entdeckung der Kohlenstoffphasen als wichtige Entdeckung gefeiert wird, aber selbiger trotz vorhandener Möglichkeiten nicht genau untersucht wurde, macht mich doch etwas stutzig. Letztlich verbleibt die Form der Mikrotunnel als einziger Punkt, und das ist (meiner Meinung nach) etwas wenig, weil halt nicht wirklich quantitativ zu handhaben.

Ein weiteres Problem ist dass es sich bei Yamato 000593 um einen Fund handelt – also einen Meteoriten, der lange Zeit (ca. 50000 Jahre) in einem Gletscher verborgen war, bis er von einer Expedition eingesammelt wurde. Auf die Möglichkeit der terrestrischen Alteration wird durchaus eingegangen. Eine irdische Bildung des Iddingsits und der Kohlenstoffphasen wird aufgrund ähnlicher Strukturen im Marsmeteoriten Nakhla, der sofort nach dem Fall eingesammelt wurde, sowie des Mangels solcher Strukturen in einem anderen antarktischen Meteoriten, eher ausgeschlossen. Das ist durchaus ein Punkt, aber halt kein direkter, quantitativer Beweis (hier wären z.B. Isotopenstudien sehr hilfreich).

Fazit: Die Vorsicht der Autoren ist meiner Meinung nach berechtigt, so richtig überzeugend sind die Punkt in dem Paper nicht. Andererseits werden weitere Ergebnisse mit anderen Methoden angekündigt, also mal sehen. Aber die Frage verbleibt, wieso nicht sofort sondern erst in einer weiteren Publikation ?

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