Home

Wo kommen eigentlich die ganzen Meteorite her? Natürlich von oben, sicherlich. Aber wie genau entstehen die Teile da draußen? Die Standartantwort (auch in Vorlesungen zu Meteoritenkunde) ist „das halt Asteroiden kollidieren“ oder so ähnlich. Meteorite also als Trümmer einer Kollision. Alternativ – im Falle lunarer und marsianischer Meteorite – gibt es etwas härtere Variante, den Einschlag eines Asteroiden oder Kometen auf einem planetaren Körper, bei dem ein paar Felsbrocken in den Weltraum geschleudert werden.
Gerade ging eine Beobachtung durch die Medien, die eine weitere Variante zeigt: den YORP-Effekt. Die meisten Asteroiden sind keine Kugeln, sondern kommen in allen Formen und Varianten, mit Vorliebe aber als Erdnuss (zumindest mein Eindruck). Wenn nun ein Asteroid durch Sonnenlicht erhitzt wird, gibt er die Wärme wieder ab. Allerdings nicht gleichmäßig in Alle Richtungen, wie bei einer Kugel, sondern je nach Form ungleichmäßig. Das führt dazu, dass ein leichter Drehimpuls erzeugt wird, der sich dann über lange Zeiträume (und Zeit spielt da draußen kaum eine Rolle, wir reden von vielen, vielen Millionen Jahren) zu einer kritischen Geschwindigkeit aufsummiert.
David Jewitt et al. berichten in ihrem neuen Paper Disintegrating Asteroid P/2013 R3 (lobenswerterweise auf ArXiv) über den Asteroiden P/2013 R3, den es in mindestens 10 Teilen in der Größe bis zu 400 Meter zerlegt hat, die gemächlich mit bis zu 5 Metern (nicht Kilometern!) pro Stunde auseinanderdriften. Das ist wahrlich Schneckentempo. Rechnet man die Beobachtungen mit dem Hubble und Keck Teleskop zurück, fiel der Asteroid so etwas letztes Frühjahr/Sommer auseinander.

Diese niedrige Geschwindigkeit ist auch ein Grund, der darauf hindeutet, dass der Asteroid durch den YORP Effekt in solch eine hohe Umdrehungsgeschwindigkeit versetzt wurde, dass es den Körper regelrecht zerrissen hat.

Eine tolle Weise, Meteorite zu erzeugen, als Bonus solche ohne Schockeffekte, die man bei gewaltsameren Kollisionen erwarten dürfte.
Also eine ideale Gelegenheit, Meteorite zu produzieren, die aus ‚ursprünglichem‘ Material bestehen.

Die Zusammensetzung ist vom Typ C, was kohligen Chondriten vom Typ 2 und 1 entspricht. Eine spektroskopische Untersuchung des freigesetzten Staubes sollte auch weitere Hinweise auf dessen mineralogische Zusammensetzung geben. Interessant ist aber, dass P/2013 R3 halt kein astreiner Asteroid ist, sondern auch Merkmale eines Kometen aufweist. So zeigte schon der intakte Asteroid die Trümmer eine schwache Koma, eine Wolke aus Staub und Gas. Auch die Bahnelemente deuten auf eine Verwandtschaft zu Kometen hin. Deshalb wird er auch als aktiver Asteroid bezeichnet.

Das ganze erinnert an ein älteres Paper von Gounelle et al., aus dem Jahre 2006, The orbit and atmospheric trajectory of the Orgueil meteorite from historical records.
Das Paper ist generell sehr interessant und lesbar, da es die Flugbahn des Orgueil Meteoriten vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre anhand der zahlreichen Beobachtungen aus dem Jahre 1864 rekonstruiert. Historische Planetologie, sozusagen.

Nun ist Orgueil einer der wenigen Vertreter der kohligen Chondrite vom Typ 1, den Meteoriten die der spektralen Klasse des zerborstenen Asteroiden entsprechen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie praktisch nur aus Mineralen bestehen, die aus der Umwandlung trocken Materials auf dem Mutterkörper durch wässrige Umwandlung (aqueous Alteration) entstanden. Zudem enthalten sie ordentlich organisches Materials und Wasser. Also im wesentlichen Matschklumpen aus dem Weltraum. Die Teile überleben nicht sehr lange auf der Erdoberfläche, es reicht schon ein Regenschauer und die Dinger sind hinüber, was den Mangel an diesen Meteoriten in den Sammlungen erklärt. Dazu sind die Meteorite sehr porös und nicht gerade stabile Gesteine – selbst einen soliden Körper aus dem Material würde es wohl sehr schnell zerlegen (Asteroide sind in der Regel aber sowieso Anhäufungen von vielen Brocken).

In dem Paper kommen die Autoren zu dem Schluss, dass Orgueil sehr wohl von einem Körper auf einer kometaren Umlaufbahn stammen könnte. Ein weiterer Schluss ist, dass sehr wohl ein Kontinuum zwischen Asteroiden und Kometen bestehen könnte, und eben die C1 Chondrite das sehr schön von der Zusammensetzung hineinpassen würden.
Das ist jetzt zwar kein direkter Link zu P/2013 R3, aber es könnte einen Eindruck geben, was für Material bei solchen Ereignissen freigesetzt wird.

Ein Kommentar zu “Wenn sich Asteroide zu Tode schwurbeln: Der Fall P/2013 R3

  1. Pingback: Immer auf die Kleinen: Der harte Alltag von Asteroiden und Kometen | EXO- PLANETAR

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s