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Auf dem Rückweg von der Lunar and Planetary Science Conference Nummer 45, gefolgt von einem Abstecher ins liebliche Providence/RI, ist es Zeit die Tagung nachzubereiten.

Vor langer, langer Zeit – knapp 10 Tagen – begann die Tagung etwas früher für mich. Um größere Veranstaltungen herum finden gerne zusätzliche kleine Treffen statt, wenn die Leute schon mal von überall her einfliegen, dann will man die Gelegenheit schon nutzen. Auch wenn die meisten der eingeflogenen unter massivem Jetlag leiden.

Traditionell findet am Wochenende vor der LPSC ein sogenanntes Micro Symposium statt. Dieses wird gemeinsam von der Brown University in Providence und dem Vernadsky Institut in Moskau veranstaltet, die Wurzeln des Treffens reichen bis in die Zeit des kalten Krieges.
1985 organisierten Jim Head (der auch diesesmal die Tagung sehr souverän leitete) und Hal Masursky (USGS) das erste Symposium, um Venusforscher von beiden Seiten in einer informellen Umgebung zusammenzubringen.

Die Teilnehmerzahl ist natürlich etwas geringer als bei der Haupttagung, und konzentriert sich auf einige längere Vorträge. Dies führ zu einer etwas entspannteren Atmosphäre, in der auch längere Diskussionen möglich (eigentlich erwünscht) sind.

Die Veranstaltung ist immer hochkarätig besetzt, Thema dieses mal: Scientific Destinations for Human Exploration. Ein weites Feld, aber durchaus gehaltvoll abgehandelt. Am Samstag ging es zunächst um die kleineren Körper, Asteroiden und Marsmonde. Hier ragte die Präsentation von Bill Bottke heraus. Bei dieser ging es um sogenannte Minimonde, kurzzeitige Monde, die die Erde für mindestens eine Umlauf umkreisen.

Im Schnitt sind es knapp drei Umkreisungen, zumeist in sehr surrealen Bahnen. Die in der Regel Kühlschrank bis Kleinwagen großen Steinklotze verschwinden meistens in weniger als einem Jahr. Das basiert allerdings alles auf Modellrechnungen. Die Teile sind sehr schwer zu beobachten – unter anderem aufgrund von Vorschriften zur Beobachtung von Erdnahen Körpern von militärischer Seite. Um die zufällige Entdeckung von geheimen Satelliten zu vermeiden, scheint die Beobachtungszeit und Frequenz genau geregelt zu sein. Es wurde auch angedeutet, dass einige Kandidaten wohl dem Militär bekannt sind, man aber die Daten nicht herankommt.

Wie auch immer, diese Minimonde waren wohl ein lohnendes Alternativziel in diesen sparsamen Zeiten. Laut Bottke wäre es mit in absehbarer Zukunft vorhandener Hardware durchaus machbar, solche kleinen Klötze im erdnahen Bereich anzufliegen und ordentlich Proben zu nehmen. Es gab eine nette Diskussion wie das im Detail stattfinden könnte – im Vakuum und unter niedriger Schwerkraft ist das nicht so einfach, wie auch zwei anwesende Apollo-Astronauten betonten. Es wurde auch spekuliert, einen kleineren Brocken gleich am Stuck in die Kapsel zu schieben und anzuschnallen, was aber wohl aufgrund der bröseligen Natur des Materials als eher gesundheitsgefährdend angesehen wurde.

Die Vorträge über Asteroiden generell und Phobos/Deimos betonten, wie wenig wir eigentlich immer noch wissen. Deshalb wären solche Low-Budget Sample-Return Flüge durchaus sehr praktisch, von ein paar Kilo Material von einer Auswahl dieser Brocken könnte die moderne Meteoritenforschung lange leben.

Der erste Tag des Micro Symposiums endete mit einem Vortrag von William Hartman über die Frage, wer eigentlich einen Himmelskörper besitzt. Solche legalen Fragen könnten sich schon recht bald stellen – siehe ein zumindest gesteigertes Interesse auch von privater Seite an der Raumfahrt. Hartman äußerte Besorgnis vor allem darüber, ob Wissenschaftler zugriff z.B. auf einen Asteroiden hätten, der einer Minengesellschaft gehört.
Ein weiterer Punkt war die Gefahr, dass bei großzügiger Auslegung bestehender Regelungen sich eine Handvoll Spieler das innere Sonnensystem rechtlich unter den Nagel reißen könnten. Da war genau der richtige Mix an Leuten für eine längere und lebhafte Diskussion anwesend. Ein Firmenvertreter bestand auf dem Recht des Ersten, wahrend vor allem die Apollo-Generation eine sehr idealistische Herangehensweise bevorzugte. Harrison Schmitt, letzter Mensch auf dem Mond glänzte mit ausführlichem juristischem Wissen in der Hinsicht (eigentlich keine Überraschung, war ja vor Ort der Mann).
Die Angelegenheit wurde dann noch auf dem folgenden Umtrunk weiter diskutiert.

Auch Tag zwei hatte es in sich. Zuerst der russische Beitrag, dieses mal über die Hintergründe des sowjetischen Mondprograms. Einer kurzen, aber detaillierten Übersicht durch Alexander Basilevsky folgte Sergei Chruschtschow, Sohn des sowjetischen Premiers zu jener Zeit (und von Beruf Raumfahrtingenieur), mit persönlichen Erinnerungen (per Telefon). Er schob das Scheitern vor allem auf zahlreiche persönliche Konflikte und Probleme.

Apollo-Veteranen Schmitt und Scott verbanden dann noch ihre persönlichen Erfahrungen mit Vorschlägen zu kommenden Mondmissionen. Sehr beeindruckendes Bildmaterial.

Das war es dann auch mit dem Symposium, am Abend wurde es dann ernster: der Ice Breaker für die LPSC. Sehr teures Bier, nicht mehr umsonst wie in den goldenen Jahren, als das Geld floss. Und man merkt, wie über die Jahre die Bekannten und Kollegenkreise an den verschiedenen Wirkungsorten zu einem Kontinuum verschmolzen sind, die Kollegen und Freunde von damals waren ihrerseits Kollegen und so weiter, da haben sich regelrechte kollegiale Dreiecksbeziehungen entwickelt.

Auf solchen Icebreakern bekommt man auch massiv die Lage in der Branche mit, und die ist – finanziell bedingt – nicht so toll. Es war deutlich weniger los als in den vorangehenden Jahre, die (Reise)Gelder fließen nicht mehr so üppig.

Mehr über die eigentliche Tagung folgt demnächst.

3 Kommentare zu “45th Lunar and Planetary Science Conference 2014 – Nachbereitung (1): Vorglühen auf dem Microsymposium

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