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Montag ging dann also die eigentliche Tagung los. Fünf Tage lang vier parallele Sitzungen den ganzen Tag über, plus zwei große Poster Sessions. Da muss man sich schon gezielt die Vorträge heraussuchen, sonst nimmt man nach ein paar Tagen nicht mehr viel auf. Der Fall ist trotz meiner Vorarbeit ohnehin schnell aufgetreten. Deshalb werde ich jetzt nicht nochmal die einzelnen Sessions durchgehen.

Die Tagung lässt sich recht schön über den Twitter Feed mitverfolgen (#lpsc2014). Weitere Beiträge auch von den üblichen Verdächtigen, mit komplementären Interessen.

Die erste Impakt-Session war, in der Tat höchst spektakulär. Da wurden die Erde und andere terrestrische Planeten nach allen mitteln der Kunst zertrümmert, verdampft oder zumindest mit Gestein bombardiert. Höhepunkt war wieder mal der Vortrag von Bottke et al., hier wurde modelltechnisch gleich das innere Sonnensystem bis zum Asteroiden Gürtel plattgemacht. Grundgedanke: die Mondbildung in einer großen Kollision könnte das größte Impakt Ereignis im inneren Sonnensystem gewesen sein, und sollte seine Spuren auch auf den anderen Planeten und Asteroiden hinterlassen haben. Dieses Ereignis sollte anhand der Zerkraterung der Oberflächen und der Alter der verfügbaren Gesteine datierbar sein. Knuffige Idee: ein Ausschnitt aus Butch Cassidy and the Sundance Kid zur Illustration (ab 00:18).

Auch schön die Kometen-Session am letzten Tag. Zwar dann nicht ganz so viel, wie erwartet über ISON (‚Gravitationally bound powder sugar‘), aber interessante Bilder im fernen Infrarot, an denen sichtbar wurde, wie der Komet schon beim Anflug auf die Sonne ordentlich zerknetet wurde und wohl schon am auseinanderfallen war. Nächstes Jahr wird die Session sicher ausführlicher, wenn die Daten über 67P/Tschurjumow-Gerasimenko vom Rosetta-Orbiter (und vielleicht sogar dem Lander Philae, aber da sind einige sehr pessimistisch) verfügbar sein werden. Und da sind alle Infos über die Oberflächenbeschaffenheit natürlich wichtig. Auch interessant könnten die Ergebnisse über den Mars-Vorbeiflug von Komet C/2013 A1 (da gefällt uns der Name Siding Spring schon besser) werden, der im Oktober am roten Planeten vorbeischrammt. Die 46te LPSC 2015 wird wohl im Zeichen der Kometen stehen.

Aber die meiner Meinung nach beste Session war, wie schon angekündigt, die mit den Volatilen vom Mond. Allerdings nicht ganz aus dem Grund aus meiner Vorschau. Während ich mich etwas kindlich auf zersplitterndes Mobiliar freute, fand ein wissenschaftlicher Schlagabtausch auf höchstem Niveau statt.

Nach detaillierten Vorträgen der Pro/Contra-Seiten was die Menge des Wassers auf dem Mond betrifft, erreichte die spannungsgeladene Sitzung mit den Präsentationen von McCubbin et al. und Boyce et al. den Höhepunkt. Experimentelle Petrologie und Kosmochemie sind schwierig und keine sehr dankbare Aufgabe. In diesem Falle aber konnte experimentell nachgewiesen werden, dass es mit dem Wassergehalt des Modes wohl deutlich komplizierter ist als bisher angenommen. Es drehte sich im Wesentlichen um das Mineral Apatit. Dieses Phosphat hat die Eigenschaft, einiges in die Kristallstruktur einzubauen. Dazu gehört halt auch Wasser. Wassergehalt gerade in Apatit wurde für Modellrechnungen des Gesamtwassergehaltes im Mond verwendet, der Gedanke ist dass je mehr Wasser in Apatit eingebaut wird, der aus einer Schmelze kristallisiert, desto mehr ist auch im Ausgangsmagma. Leider scheint dem nicht ganz so der Fall zu sein, andere Bestandteile der Schmelze (Halogene wie Cl oder F) bringen die Rechnung deutlich durcheinander. Boyce et al. hatten auch strategisch günstig eine Veröffentlichung in Science zu dem Thema platziert. Schlussfolgerung von Mit-Autor McCubbin: Der Mond ist jetzt nicht ganz so feucht wie erhofft, aber sicher auch nicht so trocken wie lange angenommen. Die Wahrheit liegt halt irgendwo zwischendrin, und die Wissenschaft geht in die nächste Runde.

Die Vertreter der beiden (theoretisch verfeindeten) Lager wurden am Abend dann zusammen im Irish Pub um die Ecke bei einem Bier gesichtet, auch ein schönes Zeichen dass man nicht alles persönlich nehmen muss.

5 Kommentare zu “45th Lunar and Planetary Science Conference 2014 – Nachbereitung (2): Lunarer Schlagabtausch

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