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In einem kürzlich Paper im Journal Geology berichten Prof. Peter Schultz (et al.) von der Entdeckung von bis zu Zentimeter großen Einschlüssen aus Überresten der Flora in Schmelzgläsern aus zwei argentinischen Meteoritenkratern (der eine 9.2 Millionen, der andere 6000 Jahre alt). Diese Einschlüsse sind nicht nur rapide in der Schmelze detailreiche versteinerte Pflanzenfragmente, sondern auch erkennbares/messbares organisches Material.

Die älteren unter uns erinnern sich: Ende letztes Jahr veröffentlichten Howard et al. ein spektakuläres Paper in Nature (Geoscience). über einen Weg, biologisches Material in Meteoriteneinschlägen in den Weltraum zu befördern. Es handelt sich hierbei ebenfalls um Silikatgläser, die bei Meteoriteneinschlägen aus geschmolzenem Gestein entstehen. Bei so einem Einschlag entstehen hohe Drücke und Temperaturen, die Darwin-Gläser wurden auf mindestens 1700 °C erhitzt.

In diesem Fall handelte es sich um die Darwin-Gläser. Diese Gesteine entstanden vor 800000 Jahren beim Einschlag eines Asteroiden (oder Kometen, so genau ist das in der Regel nicht festzustellen) in ein Sumpfgebiet im heutigen Westen Tasmaniens. Bei der Untersuchung diesen Gläsern fielen Dr.Howard kleine Einschlüsse in Größen von bis zu 250 µm (1/4 Millimeter) im Material auf. Die Analyse der Moleküle zeigte offensichtlich kaum zerstörtes organisches Material typische für Flora der damaligen Zeit.

Das ist insofern interessant, dass man eigentlich nicht erwarten würde, dass pflanzliches oder organisches Material Hitze und Druck bei einem solchen Einschlag überstehen würden. Schultz et al. sehen den Wassergehalt der Pflanzen als entscheidend an, dieser erlaubte eine schnelle Abkühlung der umgebenden Schmelze.

Diese Entdeckungen haben vielleicht auch Konsequenzen gerade für Astrobiologen. Schultz und seine Kollegen sehr vor allem darin eine Möglichkeit, organisches Material sehr lange zu konservieren. Das wäre natürlich sehr praktisch für Paläontologen, um direkt auf organisches Material aus vergangenen Epochen zurückgreifen zu können. Auf anderen Planeten auf denen vielleicht vor sehr langer Zeit mal Leben existierte (z.B. Mars), könnten sich solche Gläser natürlich erst recht als praktisch herausstellen.

Es gibt aber einen weiteren astrobiologischen Aspekt, der im Paper von Howard et al. angesprochen wird, der des Transports von Leben von einem Planeten zum anderen. Obwohl es sich bei dem Einschlag damals um ein eher kleines Ereignis handelte, spricht (bisher) nicht viel dagegen, dass sich solche Einschlüsse auch bei größeren Einschlägen bilden können. Bei sehr großen Einschlägen ist es sehr wohl möglich, dass Material über die Fluchtgeschwindigkeit hinaus in den Weltraum geschleudert wird. Bisher ging man davon aus, dass biologisches Material so etwas nur intakt im inneren eines nicht zu sehr aufgeheizten Felsblocks überleben könnte. In dieser Richtung fanden Studien in Reaktion auf die angebliche Entdeckung von Lebensspuren auf Marsmeteoriten statt (1996, wir erinnern uns vage).

Falls also biologisches Material tatsächlich auf diese Weise über interplanetare Distanzen transportiert werden kann, würden diese Entdeckungen die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Transfer deutlich erhöhen – die geschmolzene Komponente bei einem Meteoriteneinschlag ist eher die, die genug Energie abbekommt, um über die Fluchtgeschwindigkeit hinaus in den Weltraum geblasen zu werden. Und das sind beträchtliche Massen, bei größeren Einschlägen gerne auch ein Mehrfaches der Masse des Asteroiden oder Kometen.
Natürlich ist das alles nach wie vor sehr spekulativ, aber es hat nun durchaus eine gewisse wissenschaftliche Grundlage.

Eine Beobachtung am Rande: Obwohl beide Arbeitsgruppen einige Zeit an der Thematik arbeiten, zitieren sie sich nicht gegenseitig. Ob das jetzt nur ein Versäumnis ist oder knallharter Konkurrenzkampf, keine Ahnung (aber eigentlich Schade).

4 Kommentare zu “Hoch kommen sie alle: Impakte und Astrobiologie

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