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Das Forschungsgebiet der Exoplaneten hat sich in jüngerer Zeit sehr ergiebig erwiesen. Allerdings sind nicht alle Nachrichten gute Neuigkeiten.

Erst mal die guten. Das war die spektakuläre Entdeckung eines potentiellen terrestrischen Planeten in der bewohnbaren Zone um Kapteyns Stern. Dies gelang der Arbeitsgruppe von Anglada-Escude, die Ihre Ergebnisse im Journal Monthly Notices of the Royal Astronomical Society veröffentlicht hat: Two planets around Kapteyn’s star: a cold and a temperate super-Earth orbiting the nearest halo red-dwarf (hier für lau auf Arxiv). Das ist interessant weil der kleine Stern (roter Zwerg) zum einen recht nahe ist, 12.8 Lichtjahre. Der Knaller ist aber, dass Kapteyn auch verdammt alt ist – 13 Milliarden Jahre (!!). Unser Sonnensystem ist gerade mal 4.6 Milliarden Jahre alt – das Universum ca. 13.7 Milliarden Jahre. Also ein richtig alter Stern.

Dazu kommt, das der Stern aufgrund seiner Flugbahn wohl gar nicht direkt aus unserer Galaxis stammt, sondern von einer Zwerggalaxie, die einst mit der unsrigen kollidierte. Das alles plus ein potentiell bewohnbarer Planet ist nun wahrlich Phantasieanregend. Alastair Reynolds, Science Fiction Autor, hat sogar gleich eine Kurzgeschichte produziert.

Noch ein alter Stern ist der sonnenähnliche Kepler 10, 560 Lichtjahre entfernt. Und um diesen kreisend wurde eine neue Gattung an terrestrischen Planeten gefunden: Die Mega-Erde. Xavier Dumusque (Cambridge, Massachusetts) et al. präsentierten die Entdeckung auf der Jahrestagung der American Astronomical Society (AAS). Planet Kepler 10c ist 17 mal so schwer wie unsere Erde, bei einem Radius von ca. 18000 Kilometern. Die Dichte ist weit höher als erwartet, eigentlich dachte man, das solche Super-Erden eher kleinen Neptuns entsprechen, also ein terrestrischer Kern mit Gas drumherum. Kepler 10c ist eher eine Gesteinskugel ähnlich unsere Erde. Und auch Kepler 10 ist alt, 10-11 Milliarden Jahre.

Das ist eine schöne Überleitung zu einer anderen neuen Studie, die sich mit der Frage beschäftigt: Wieviele Wissenschaftler passen in eine Telefonzelle Welche Astrophysiker haben echt zuviel Zeit Wieviele bewohnbare Planeten passen in ein Sonnensystem ?

Ausgetüftelt wurde das ganze von Sean Raymond (Bordeaux). Das ultimative System ist ein roter Zwerg, um den in der bewohnbaren Zone 60 erdähnliche Planeten auf stabilen Umlaufbahnen gequetscht wurden. Mittels Paaren von ähnlich großen terrestrischen Planeten konnten bereits 24 solcher Planeten Platz finden, mittels Gasriesen mit erdgroßen Monden in einem Doppelsternsystem konnte die Zahl dann auf 60 gebracht werden.

So was würde kaum unter natürlichen Umständen stattfinden. Die Bildung eines Sonnensystem ist wahrlich kein effektiver Prozess, das, was am Ende übrig ist nur ein kleiner Teil das Ausgangsmaterials, der Rest ist verloren gegangen als sich das System während der Bildung ‚eingeschwungen‘ hat. So ein System wäre ein sicheres Anzeichen für eine extraterrestrische Hochzivilisation.

Dann kann ich mich noch selber auf die Schulter klopfen, endlich mal wieder ein Paper als Erstautor, und zwar über Exoplaneten und deren Zusammensetzung: Morlok et al. in Icarus: Dust from collisions: A way to probe the composition of exo-planets? Es geht um Debris Disks, und wie man die Infrarotspektren von selbigen verwenden kann, um die Zusammensetzung etwaiger entstehender Exoplaneten zu bestimmen. Bald auch auf Arxiv, versprochen.

Und die schlechte Nachricht ? Ein gemeinsamer Nenner für die obigen Studien ist , dass ein roter Zwerg involviert ist. Diese werden als prima Kandidaten für bewohnbare Planeten gehandelt. Dummerweise scheint es gerade mit diesem Sterntypen ein Problem zu geben.

Ebenfalls auf der Jahrestagung der AAS präsentierten Ofer Cohen (ebenfalls aus Cambridge, Mass.) et al. ihre Ergebnisse. Das Problem mit der habitablen Zone um die kühleren Zwergsterne ist, das sie deutlich näher am Stern liegt als in einem System wie unserem. Deshalb sind Planeten in dieser dem Weltraumwetter viel stärker ausgesetzt. Der Sonnenwind würde auch bei einem starken Magnetfeld eines Planeten die Atmosphäre wohl wegerodieren. Das würde bedeuten, das die meisten Planeten im inneren System der roten Zwerge tote, Merkur-ähnliche Welten sind.

Irgendwie traurig, hoffentlich ist das letzte Wort in der Sache noch nicht gesprochen.

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