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Meteorite stammen aus diversen Quellen, können aber in zwei Gruppen geteilt werden: Fälle und Funde.
Erstere sind Meteorite, die unmittelbar nach dem Fall eingesammelt werden, Funde liegen einfach in der Landschaft herum bis sie mal jemand einsammelt. Das kann lange dauern – die zahlreichen Proben aus Wüsten und der Antarktis zeigen schon mal terrestrische Alter von mehreren 10000 Jahren.

Einen extremen Fall stellen die fossilen Meteorite dar. Davon gibt es nicht allzu viele, da Meteorite es auf unserem oxidierenden Planeten nicht lange in ihrer ursprünglichen Form aushalten, sie rosten mehr oder weniger weg oder wandeln sich in Matsch um.

Der Großteil der fossilen Meteorite (98%) stammt aus wenigen Steinbrüchen in Thorsberg (passender Name) in Süd-Schweden. In dem kürzlich erschienenen Paper A fossil winonaite-like meteorite in Ordovician limestone: A piece of the impactor that broke up the L-chondrite parent body? von Birger Schmitz (Universität Lund) und einigen Ko-Autoren in Earth&Planetary Science Letters geht es um eben diese fossilen Meteorite.

Die Meteorite finden sich in Kalksteinschichten, die sich auf Ozeanboden unter Sedimentationsraten von wenigen Millimetern pro 1000 Jahren bildeten, also alles recht sanft. Der Kalkstein ist ein beliebtes Baumaterial, so dass große Mengen abgebaut werden. Das ist wohl hilfreich, größere Volumen an Gestein ‚abzugrasen‘. Um die 100 fossile Meteorite wurden gefunden, das erlaubt ein wenig Statistik zu betreiben. Und die zeigt, dass während des Ordoviziums, als die Meteorite vor 470 Millionen Jahren in einer Spanne von 2 Millionen Jahren fielen, die Gesamtmenge an extraterrestrischem Material welches auf die Erde fiel hundertfach größer war. Dies wird bestätigt durch zahlreiche Mikrometeorite, die in ähnlich alten Schichten gefunden werden.

Die fossilen Meteorite sind praktisch vollständig alteriert, statt ‚trockener‘ Silikate bestehen sie nur noch aus Lehm und Karbonaten. Nur eine Mineralgattung hat die Prozedur überstanden, die Chromite. Dieses Mineral ist recht robust, und die Zusammensetzung (chemisch und isotopisch) erlaubt die Identifikation des Meteoritentypen. Einigermaßen, ist natürlich nicht so exakt wie die Analyse von ‚frischem‘ Material.

Interessanterweise waren bisher alle fossilen Meteorite gewöhnliche Chondrite vom Typ L (wir erinnern uns). Jetzt endlich wurde eine weitere fossile Art identifiziert, und gleich als ‚Mysterious Object‘ klassifiziert. Das Teil lässt sich nämlich nicht direkt einer bekannten Meteoritengruppe zuordnen, nur ein Fragment in einem anderen Meteoriten zeigt Ähnlichkeit.

Am nächsten kommen noch die seltenen Winonaite. Diese sind Achondrite, stammen also von einem Körper, der zumindest teilweise aufgeschmolzen ist – im Gegensatz zu den Chondriten, die im Wesentlichen primitives Material darstellen. Winonaite sind primitive Achondrite, ihre Chemie zeigt deutliche Ähnlichkeit mit der der Chondrite. Auch interessant ist, das Winonaite ähnlich Einschlüssen in einigen Eisenmeteoriten sind. Das deutet in der Tat darauf hin, dass sie vom Mantel eines Körpers mit einem Eisenkern stammen.

Die Verweildauer der fossilen Meteorite im Weltraum, also die Zeit zwischen dem Ereignis wo sie vom Mutterkörper (wohl in einer Kollision) freigesetzt wurden, und dem Fall auf die Erde, ist erstaunlicherweise immer noch messbar. Die liegt um 1 Million Jahre für beide Gruppen. Eine Hypothese ist, dass das mysteriöse Objekt die Zusammensetzung eines der beiden kollidierenden Körper vertritt, die L Chondrite die des anderen.

Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten, das ganze zu erklären. Aber es wäre schon faszinierend, wenn wir einen Einblick in das Sonnensystem nach der absoluten Frühzeit, als die ganzen Meteorite entstanden, und es bis zum Late Heavy Bombardment vor 3.2 Milliarden Jahren noch richtig gekracht hat, und der Jetztzeit bekommen könnten.

2 Kommentare zu “Von fossilen Meteoriten

  1. Pingback: Die beliebtesten Paper in der Planetologie: Presseschau Oktober 2014 | EXO- PLANETAR

  2. Pingback: Passt in keine Schublade: Ein mysteröser fossiler Meteorit › Exo-Planetar › SciLogs - Wissenschaftsblogs

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