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Sommerzeit ist Tagungszeit. In der Regel fallen mindestens zwei wichtige Konferenzen mit Bezug zur Meteoritenforschung ins Sommerloch:
Die jährliche Tagung der Meteoritical and Planetary Society (MetSoc) und die Goldschmidt Konferenz. Letztere umfasst auch das Gebiet der Geochemie, aber der Anteil der Kosmochemiker (auch ein Synonym für Meteoritenforschung) ist ziemlich stark. Diese Tagung ist logischerweise größer (ca. 4000 Teilnehmer) als die MetSoc, die eher den Charakter eines (größeren) Familientreffens hat, mit ungefähr 400 Teilnehmern. Beide Tagungen finden jährlich an verschiedenen Orten Teil, dieses Jahr Sacramento (Goldschmidt) und Casablanca (MetSoc). Die Goldschmidt Conference war schon Mitte Juni, die MetSoc findet im September statt. Beide Tagungen müssen leider ohne mich auskommen, denn zume einen sind die Reisebudgets natürlich begrenzt, und zeitgleich mit der MetSoc findet in Cascais/Portugal der European Planetary Science Congress (EPSC) statt, die kleine europäische Schwester der jährlichen LPSC. Das war natürlich ein ordentlicher Planungsfehler, denn thematisch überschneiden sich die beiden Konferenzen. Die EPSC ist breiter Angelegt, es geht nicht nur um Kosmochemie oder Meteorite, sondern um das ganze Sonnensystem, außerdem spielen die verschiedenen Raumsonden Missionen eine gewichtige Rolle.

Das Programm für die MetSoc ist jetzt online, trotz meiner Abwesenheit lohnt sich ein Blick. Wie üblich ohne Gewähr auf Vollständigkeit, halt was beim Durchsehen so hängen blieb. Die meisten Beiträge sind halt nur ein Ausschnitt von laufenden Projekten, eher von Interesse für Spezialisten.

Was auffällt, ist dass die Postersessions (Dienstag, Donnerstag) ziemlich klein sind, offensichtlich wurde alles was nicht rechtzeitig auf den Bäumen war als Vortrag eingeteilt. Grund für die wohl geringe Teilnehmerzahl sind eben die Terminüberschneidung, aber auch die finanziellen Kürzungen in den USA, die den normalerweise größten Teilnehmerblock hart treffen. Auch wenig zu Raummissionen, weil halt die meisten der Leute in Portugal sind. Etwas Schade, wegen der anstehenden Missionen (Rosetta und Dawn@Ceres).

Viel Mars (3 Sitzungen), auch hier das dominierende Thema (wie auch auf der LPSC). Werner et al. schlagen den 55 Kilometer durchmessenden, ca. 5 Millionen Jahre alten Mojave Crater als Ursprung der Gruppe der shergotittischen Marsmeteorite vor. Laut Brennecka et al. (CONSTRAINTS ON THE ACCRETION HISTORY OF MARS) deuten 182Hf−182W-Modelle an Shergotitten auf ein relativ junges Alter des Mantels und der Kruste des Mars hin, um die 4504 Millionen Jahre, also knapp 55 Millionen Jährchen nach Entstehung des Sonnensystems. Das könnte durchaus auf einen großen Einschlag hindeuten. Dann viel über Oberflächenprozesse (sprich Wasser -> vielleicht Getier) auf dem roten Planeten . Vielversprechend ein Beitrag aus Glasgow von Lydia Hallis und Martin Lee: FLUID INCLUSIONS IN LAFAYETTE: A RECORD OF ANCIENT MARTIAN HYDROLOGY. Die beiden haben also Einschlüsse an Flüssigkeit in Silikaten in einem Marsmeteoriten gefunden, die möglicherweise durch wässrige Alteration entstanden sind. Die Untersuchung könnte in dem Fall erlauben, direkt das Wasser zu analysieren, das auf dem Mars damals sein Unwesen trieb. Allerdings sind die Einschlüsse sehr klein, wenige µm groß. Aber technisch sollte es möglich sein, sollte sehr interessant werden.

Bei den primitiven Kollegen, den Chondriten gibt es eine Sondersitzung: CARBONACEOUS CHONDRITES AND THE 150TH ANNIVERSARY OF ORGUEIL. Orgueil, wir erinnern uns, fiel 1864 wohl beobachtet über Frankreich und wurde sofort eingesammelt. Der liebenswürdige Lehmklumpen ist zwar etwas in die Jahre gekommen (wegen unsachlicher Lagerung, wusste man damals aber halt noch nicht), ist aber immer noch von Interesse. Und das kam so: Die chemische Zusammensetzung ist sehr ähnlich derer des Gesamtsonnensystems sowie der Photosphäre der Sonne. Wieso weiß eigentlich keiner so genau. So dienen Orgueil und seine Freunde von der CI1 Fraktion als eine Art Standardmaterial. eine Zusammenfassung der Thematik dürfte wohl Mathieu Gounelle liefern: A TRIBUTE TO THE 150TH ANNIVERSARY OF THEORGUEIL METEORITE FALL.

Bei den Sessions über METEORITE FALLS AND METEORITE RECOVERY ein interessanter Beitrag von Fries et al.: WORLDWIDE WEATHER RADAR IMAGERY MAY ALLOW SUBSTANTIAL INCREASE IN METEORITE FALL RECOVERY. Aus den immensen Datenblöcken der Wetterradare lassen sich Anzeichen auf Meteoritenfälle herauslesen, weshalb versucht wird, ein globales Netzwerk zu organisieren. Potentiell könnte damit die Zahl der Fälle (und damit frischen Proben) um mehr als das Dreifache vergrößert werden.
Wenn sie dann unbeobachtet fallen und länger herumliegen, rosten Meteorite auch in trockenen Ecken wie der Atacama an. Andererseits, man kann aus ihnen auch Anzeichen auf das Wetter und Klima vergangener Epochen ablesen, siehe Valenzuela et al., The weathering mineralogy of ordinary chondrites from two sites in the Atacama Desert, Chile. Evolution with time and paleoclimatic implications.

Ishii et al. bestätigen in GEMS: BUILDING BLOCKS OF THE SOLAR SYSTEM die GEMS (Glass with embedded metal and sulfides) in IPSs (Interplanetary Dust Particles) als die wahrscheinlichsten Kandidaten für interstellares Material, das die Prozesse des frühen Sonnensystems überlebt hat, eben die aufgeschmolzenen Lego-Steine, aus denen sich alles weitere gebildet hat.

In den Impakt Sessions ein Poster über Anzeichen in Bohrkernen für schwere Impakte auf der Erde vor 3.2-3.5 Milliarden Jahren, also während des Late Heavy Bombardments. Siehe Fritz et al., Impacts onto the Early Earth: Archean Spherule Layers from the ICDP drill core BARB5.

Zu guter Letzt bietet die Sitzung DEVELOPMENTS IN ANALYTICAL TECHNIQUES FOR METEORITE ANALYSIS einen Einblick in die Fortschritte in den analytischen Techniken. Und da hat sich einiges getan:
Meteorite können mit Mikro-Röntgentomographie mit hoher Auflösung durchleuchtet werden, mit sehr schön anzuschauenden 3D Modellen. Und das ist auch nützlich, man muss Proben nicht mehr auf gut Glück aufsägen. Ein Beispiel: LOCATING POROSITY IN CHONDRITES WITH X-RAY MICRO-COMPUTED TOMOGRAPHY (μCT) von Almeida et al.

Der Fortschritt wird gerade dann deutlich, wenn Geräte, die einst ein ganzes Labor einnahmen, plötzlich so groß wie ein Handy sind. Das ist in etwas mit den Röntgenfluoreszenz-Maschinen passiert – siehe Gemelli et al., CHEMICAL ANALYSIS OF IRON METEORITES USINGA HAND-HELD X-RAY FLUORESCENCE SPECTROMETER.

Zur MetSoc in 10 Jahren will ich ein tragbares SIMS.

Das war es vorerst mal, später vielleicht ein Nachschlag.

Ein Kommentar zu “Tagungen (Mal wieder): Vorschau Jahrestagung der Meteoritical Society 2014

  1. Pingback: Noch mehr Tagungen: Vorschau Europlanet 2014 | EXO- PLANETAR

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