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Das Rosetta am Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko angekommen ist, dürfte sich in interessierten Kreisen herumgesprochen haben. Hier ein schöner Artikel, der auf die Geschichte der Mission eingeht und den langen Zeitraum des Projektes nochmal verdeutlicht. Und die Sonde produziert erste wissenschaftliche Daten.

Die Kometenbilder alleine sind eine Schatzgrube an Informationen, schon alleine, um einen Landeplatz für den Lander Philae zu finden. Dieser sollte nicht nur wissenschaftlich gehaltvoll sein, sondern auch stabil genug damit die Sonde nicht auf Nimmerwiedersehen im Kometenstaub versinkt. Hierzu gibt es eine neue Studie, die mittels Radaraufnahmen von der Erde aus erstellt wurde: Constraints on the subsurface structure and density of the nucleus of Comet 67P/Churyumov-Gerasimenko from Arecibo radar observations. Genauer gesagt, bei Radarbeobachtungen des Kometen mittels der großen Schüssel in Arecibo im Jahre 1982 (!) kam kein messbares Signal zurück. Daraus leiten die Autoren eine Porosität der Oberflächenschicht von bis zu 65% her, was einer Dichte von 600-1000 Kilo pro Kubikmeter entspricht – bei einer homogenen, also gleichmäßigen Masseverteilung im Kometen. Wenn dem nicht der Fall ist (und die Bilder deuten schon irgendwie darauf hin..), wären geringere Dichten möglich. Und das wäre schon ziemlich kritisch.

Aber falls alles schiefgeht und Philae mit hilflos rudernden Landebeinchen im Regolith versinkt, gibt es immer noch den Orbiter. Und dessen Instrumente haben auch schon mit dem wissenschaftlichen Programm angefangen.

Instrumente im Orbiter erlauben die Untersuchung von Molekülen und Staubteilchen, die den Kometenschweif bei Annäherung des Kernes zur Sonne bilden. diese Teilchen sind maximal einige zehn Mikrometer groß (1 Mikrometer = 1 tausendstel Millimeter). Also sehr klein, was besondere Anforderungen an die Instrumente stellt.

Um eine Idee der Form und einiger physikalischer Eigenschaften von Staubteilchen zu bekommen, ist ein Atomkraftmikroskop (AFM) an Bord. Das sind im Prinzip sehr feine Nadeln, die die Oberfläche einer Probe ab rastern. Die Auslenkung der Nadel wird aufgezeichnet und erlaubt ein räumliches Bild selbst von wenigen Nanometern großen Details zu bekommen. Das Gerät auf Rosetta nennt sich Micro-Imaging Dust Analysis System (MIDAS). Während der Tiefschlafphase des Anfluges wurden bereits Partikel auf einem Probenträger aufgefangen, was einen Test unter realen Bedingungen erlaubt.

Die Arbeit begonnen hat auch COSMIA, der Cometary Secondary Ion Mass Analyzer. Das ist eine ganze Ionensonde (SIMS). Diese benutzen einen feinen Ionenstrahl – in diesem Falle das Flüssigmetall Indium – um eine Probe in sehr hoher räumlicher Auflösung zu untersuchen. Der Ionenstrahl ionisiert Atome und Molekülgruppen, deren Masse dann mittels eines Flugzeitspektrometers bestimmt wird. Die leichten Teilchen treffen als erste im Detektor auf, die schweren später. Daraus ergibt sich ein Massenspektrum anhand dessen man sie chemische (und auch isotopische) Zusammensetzung des Staubteilchens bestimmen kann, was wiederum die Identifikation der mineralogischen aber auch organischen Phasen erlaubt.

Solche Geräte sind normalerweise laborfüllend, weshalb die Miniaturisierung schon beeindruckend ist. Wie auch die Automatisierung der Analyse, normalerweise sind Messungen an den Laborgeräten recht kompliziert, kann ich aus eigener Erfahrung während meiner Doktorarbeit mit einem ähnlichen Gerät sagen.

Alleine diese beiden Geräte werden uns einiges an Informationen über die Zusammensetzung des Kometen liefern – und das ist erst der Anfang, so langsam wird es richtig interessant.

Und wenn wir schon bei Kometen sind: Siding Spring wird bei seinem Vorbeiflug am Mars (Oktober 19ter) wohl kaum Schaden anrichten.

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