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Eine ungemein nützliche Einrichtung ist der Blog Cosmochemistry Papers, in dem täglich die aktuellen Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Kosmochemie, Meteoritenforschung und der analytischen Planetologie aufgelistet werden. Also (fast) alle Papers, die etwas mit der Untersuchung extraterrestrischer (und verwandter) Materialien zu tun haben. Der Blog wurde vor fast schon wieder einem Jahr von Forschern an der Uni Köln ins Leben gerufen, in der Zwischenzeit bin auch ich einer der Mitarbeiter.
So ein Blog gibt auch eine Einsicht, welche Paper und damit Themen im Moment das größte Interesse erregen, man braucht nur anzuschauen, welche Veröffentlichungen am meisten angeklickt werden. Das ist ein idealer Ausgangspunkt für eine neue Rubik – die monatliche Presseschau.

Die fünf populärsten Paper decken einen großen Teil des Gebietes ab.

Nummer eins ist Cohesive forces prevent the rotational breakup of rubble-pile asteroid (29075) 1950 DA. von Ben Rozitis et al., veröffentlicht in Nature. Dabei geht es zwar nicht um analytische Angelegenheiten, es handelt isch um eine Modellierung der Eigenschaften von Asteroiden. Aber auch solche Studien aus den Grenzgebieten zu Nachbardisziplinen sind für die Meteoritenforschung interessant, die modellierten Prozesse beeinflussen auch die Bildung der Meteorite.
Rozitis und seien Kollegen fanden heraus, dass der kleine Asteroid (29075) 1950 DA schneller rotiert als er aufgrund seiner Struktur und bisherigen Modellen eigentlich sollte. Der Asteroid ist ein Rubble Pile, also eine Schutthaufen. Würde dieser nur durch die Schwerkraft aufgrund seiner eigenen Masse zusammengehalten, sollte so ein looser Haufen eigentlich auseinanderfliegen. Erklärung: die eigenlich sehr schwachen van-der-Waals Kräfte (wir erinnern uns aus dem Chemieunterricht). Das sind schwache Kräfte zwischen Molekülen, welche die Körner im Schutthaufen zusätzlich zusammenhalten.

Paper Nummer Zwei ist vom entgegengesetzten Ende des Gebietes. Evidence for interstellar origin of seven dust particles collected by the Stardust spacecraft von Andrew Westphal und sehr, sehr vielen Mitautoren plus über 30000 (ja, wirklich) freiwilligen Helfern (in Science) behandelt Proben der Stardust Sonde. Das ganze wurde bereits in einem Beitrag letzte Woche behandelt – es handelt sich um eine Studie von Mikrometer großen interstellarem Staub, der zusätzlich zu den Kometenpartikeln von der Stardust Sonde eingefangen wurde. Also frisches (wenn auch durch den Aufschlag zerlegtes) Material von Außerhalb des Sonnensystems.

Das Paper auf Platz 3 führt uns wieder in nähere Gefilde zurück. Evaporative fractionation of volatile stable isotopes and their bearing on the origin of the Moon, diesesmal nur von zwei Autoren (James Day und Frederic Moynier) behandelt die Mondentstehung. Das Ganze erschien als Zusammenfassung einer Tagungspräsentation mit einer ganzen Flöte an prima Mondartikeln  in Philosophical Transactions of the Royal Society A. Die Entstehung des Mondes (wohl durch eine große Kollision) war bekanntlich eine etwas heiße Angelegenheit. Dazu passen aber die Isotopenverhältnisse z.B. von S, Cl, Zn oder K in Mondproben und Meteoriten nicht so ganz Richtig. Die Autoren modellieren einen späteren Nachschlag von Material und die Rolle von Atmosphären aud Erde und Mars, die Möglicherweise solche Unterschiede erklären.

Wir belieben auf dem Mond – das viertbeliebteste Paper ist Global distribution of lunar impact melt flows von Neish et al., erschienen in Icarus. Hier geht es um eine Studie er Eigenschaften von 146 kleineren Mondkratern, die erst dank neuerer Daten einwandfrei im Detail studiert werden konnten. Es geht darum, wie das Terrain die Kratereigenschaften beeinflusste, wie sich die Schmelze nach dem Einschlag verteilt hat und so weiter. Hier werden also Beobachtungsdaten mit Modellen abgeglichen.

Paper Nummer 5 ist dann wieder Kosmochemie pur: Stellar origin of the 182Hf cosmochronometer and the presolar history of solar system matter. Auf dem Isotop 182Hf basiert ein Kosmochronometer, also eine Datierungstechnik basierend auf dem Zerfall von Atomkernen. Es gehört zu den zu den Systemen mit kurzer Halbwertszeit, mit denen sich vergangene Ereignisse sehr genau relativ zu einander datieren lassen. Bei diesem System gab es allerdings bisher ein paar Ungereimtheiten, vor allem bei welchen stellaren Prozessen das Isotop überhaupt entsteht. Das sollte man schon wissen, bevor man die Alter interpretiert. Das 182Hf entsteht laut der Studie in AGB Sternen – das sind rote Riesensterne in der Spätphase ihrer Entwicklung. Unsere Sonne wird irgendwann auch mal einer. Das das Ereignis, bei dem die Isotopen entstanden und in die Staubwolke in dem sich das Sonnensystem bildete gelangten, fand laut dem Paper 30-100 Millionen Jahre vor der eigentlichen Entstehung unseres Systems statt.

Unter den ersten fünf Papern im letzten Monat also 2 über den Mond, Eins über Asteroiden, und sagen wir mal zwei eher klassische Kosmochemie-Veröffentlichungen. Obwohl die Studie von Staubpartikeln wie auch hochpräzise Isotopendatierungen auch recht junge Entwicklungen der letzten ~20 Jahre sind.

Interessanterweise Wenn man auf die folgenden Plätze schaut, wird das noch deutlicher, die Hälfte der ersten Paper bezieht sich auf den Mond. Keines über den Mars, was mich sehr überrascht. Auch nix über Astrobiologie. Da scheint sich eine deutliche Verschiebung der Interessen in der analytischen Planetologie anzudeuten – letztendlich reflektiert das dann auch die Finanzierungslage im Gebiet. Wird interessant, wie das die nächsten Monate aussieht und ob das ein echter Trend ist.

Ein Kommentar zu “Was in der Planetologie so abgeht: Presseschau August

  1. Pingback: Die beliebtesten Paper in der Planetologie: Presseschau September 2014 | EXO- PLANETAR

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