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Nun ja, einigermaßen live. Ich nehme also an der diesjährigen Europlanet (EPSC2014) im schönen Cascais bei Lissabon teil.
Die Tagung ist, wie schon vermeldet, so etwas wie das kleine Geschwisterchen der großen LPSC in Houston. Dieses Jahr dummerweise zeitgleich mit der MetSoc, der Tagung für die Meteoritenforscher, was beiden Tagungen nicht unbedingt gut tut, aber was solls.

Da die EPSC2014 sehr missionslastig ist, ist die Tagung natürlich ideal für die Präsentation der ersten Ergebnisse von der Kometensonde Rosetta. Die ganzen wichtigen Leute des Projektes sind anwesend, und eigentlich stand Tag 1 ganz im Schatten von Rosetta.

Die schlechte Nachricht zuerst – es wurden kaum neue Bilder vom Kometen präsentiert. Die Handvoll, welche man zu sehen bekam, war umso beeindruckender, da kommt noch einiges spektakuläres. Natürlich herrschte fotografier verbot, auch wenn sich zahlreiche Teilnehmer nicht darum kümmerten.

Dafür gab es die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse. Mal grob zusammengefasst:

Es scheint kaum wirklich ursprüngliche Oberflächen auf dem Kometen zu geben. Alleine die vielen großen Felsklumpen oder was auch immer irritieren die Forscher ein wenig. Die Oberfläche ist sehr strukturiert und vor allem rau – es gibt kaum flache Bereiche. Recht viele Bereiche sind permanent abgeschattet, um die 30 % wenn ich das richtig verstanden habe.

Es gibt bereits eine erste geologische Karte des Kometen. Eine erste Studie der erkennbaren Schichten deutet auf einen komplizierten inneren Aufbau hin – es gibt Anzeichen, das der Komet durch schichtweise Akkretion entstanden ist. Und zwar von nicht nur zwei sondern von mehreren Körpern.

Auf der Oberfläche selber scheint es kaum größere Gebiete aus Eis zu geben, alles ist sehr gemischt. Spektroskopie deutet auf viel Organik hin. Die Halsregion zwischen den beiden Segmenten ist auch die aktivste, dort kommen wohl die ersten Jets her.

Der Komet ist sehr porös – ca. 70%. Ungefähr 20 % sind Eis, der Rest Staub. Das scheint weniger als erwartet zu sein …
Die große Hälfte ist etwa 13 Kubikkilometer im Volumen, die kleine knapp 6.

Das die beiden Teil nicht entlang einer Achse ausgerichtet sind, deutet auf eine instabile Konfiguration hin.

Was die geplante Landung von Philae betrifft, ist das alles problematisch. Das Landegebiet kann nur noch mit einer Genauigkeit von 1 Km
Angesteuert werden, und es gibt eigentlich keine flachen Gebiete von dieser Ausdehnung. Unebenheiten könnten Philae umkippen lassen, dann wäre kaum noch groß Forschung möglich.

Ansonsten läuft aber alles wie geschmiert, die Geräte im Orbiter liefern bereits ordentlich Daten, so viel dass die Leute mit dem Auswerten kaum nachkommen. Die Stimmung am Boden ist sehr gut, fast euphorisch. Es bleibt also spannend.

3 Kommentare zu “Europlanet 2014 (live!): Rosetta

  1. Pingback: Komet C-G gestern aus nur noch 28 km Abstand | Skyweek Zwei Punkt Null

  2. Pingback: Nachschlag Europlanet 2014 | EXO- PLANETAR

  3. Pingback: Unser Mann in Nantes: EPSC 2015 (1): Immer auf Achse › Exo-Planetar › SciLogs - Wissenschaftsblogs

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