Home

In der letzten Ausgabe von Icarus ein paar Artikel, dies sich mit dem tristen Alltag der kleineren Körper in unserem Sonnensystem beschäftigen: The Mass Disruption of Jupiter Family Comets von Michael Belton (Tucson) und Observational constraints on the catastrophic disruption rate of small main belt asteroids von Larry Denneau (Uni Hawaii) und vielen Mitautoren.

Was die kleinen Hauptgürtel-Asteroiden angeht, so zeigt die Größenverteilung schon, dass ‚Catastrophic Disruptions‘ eine zentrale Rolle bei der Evolution des Asteroidengürtels spielen. Eine katastrophale Zerlegung (oder wie auch immer man das übersetzt…) ist, wenn nach einer Kollision zweier Körper keines der Trümmer meher als die Hälfte der Ausgangsmasse beider Teile mehr hat. Denneau et al. modellierten die Entwicklung für kleinere Asteroiden um 100 Meter Durchmesser und verglichen diese mit Asteroidenbeobachtungen. Ergebnis: etwa einmal pro Jahr scheint es die kleinen Kerls zu zerlegen. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass es sich nicht notwendigerweise um Kollisionen handelt, sondern auch ‚Rotational Disruptions‘ eine Rolle spielen, sich also die schwebenden Schutthaufen sich selber zerschwurbeln.

Was Kometen betrifft, so zeigen die Modelle von Belton dass es sowohl kurz- wie auch langperiodische Kometen mit ziemlicher Sicherheit (>90%) mindestens einmal während ihrer Lebenszeit (im inneren Sonnnensystem) in kleinere Trümmer zerlegt. Ein weiterer Schluss ist, dass Kometen generell ähnliche strukturelle Eigenschaften haben, unabhängig von der Herkunft.

Das wäre wohl eine Erklärung für das kaputte Erscheinungsbild gerade von einem kurzperiodischen Kometen wie 67P/Tschurjumow-Gerasimenko, der ja nun einen schwer gebeutelten Eindruck macht auf den Rosetta-Bildern.

Nachgetreten wird dann auch noch in Space erosion and cosmic ray exposure ages of stony meteorites von David Parry Rubincam (NASA Goddard):Da geht es um das Cosmic Ray Exposure (CRE)Alter von Meteoriten, einer Methode mit der man einigermaßen bestimmen kann, wie lange so ein Brocken durch den Weltraum geschwirrt ist, nachdem er von seinem Mutterkörper durch einen Einschlag/Kollision losgelöst wurde. Aber natürlich werden auch die Oberflächen von atmosphärelosen Köepern von der Weltraumverwitterung bearbeitet. Das ist der Beschuss durch all den Kleinkram – Strahlung, Staubpartikel etc. das die Oberfläche über lange Zeiträume ziemlich bearbeitet. In anderen Worten, zusätzlich zum permanenten zerbröseln sind die Teile auch einem kosmischen Sandstrahlgebläse plus Strahlen- und Partikelschauer ausgesetzt.

Und es kommt noch schlimmer. Asteroide sind durch ihre schiere Existenz einer weiteren Gewalttätigkeit ausgesetzt: Thermal fragmentation. Lange dachte man, das der Regolith, also das zertrümmerte Material auf der Oberfläche von Asteroiden und auch atmosphärelosen Körpern wie Merkur oder Mond, durch Impakte entstand. Delbo et al. stellten kürzlich mit Thermal fatigue as the origin of regolith on small asteroids in Nature ein alternatives Modell vor, bei dem das Oberflächengestein durch den thermischen Stress aufgrund der großen Temperaturunterschiede, den so ein Asteroid ausgesetzt ist, zerbröselt. Es könnte sogar so weit kommen, das Körper, die regelmäßig sehr nahe an die Sonne herankommen, regelrecht wegbröseln durch diesen Effekt.

Viele Körper da draußen sind also alles andere als solide Klumpen an ursprünglichem Material, sondern unzählige Male zertrümmerte, verknetete und zerschmetterte Gestalten. Bei all dieser Grausamkeit: Auf diese Weise bekommen wir unsere Gratisproben aus dem Weltraum, die Meteorite.

Ein Kommentar zu “Immer auf die Kleinen: Der harte Alltag von Asteroiden und Kometen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s