Home

Und wieder unsere allseits beliebte Rubik über die beliebtesten Papers (basierend auf den angeklickten Beiträgen in Cosmochemistry Papers), diesmal für den September 2014. Unter den Top 5 keiner der Einträge vom August. Allerdings, so sei angemerkt, war September ein sehr ruhiger Monat, gerade wegen der wichtigen Tagungen und/oder Urlaub.

Am populärsten ein Review-Paper, also eine Publikation, die einen Überblick über ein Teilgebiet liefert. Von einem Autor, der wirklich viel auf dem Gebiet gearbeitet und veröffentlicht hat.
Das Journal, Chemie der Erde, hat auch eine interessante Geschichte hinter sich, mit 100 Jahren in Druck dürfte es wohl zu den am längsten aktiven Journals im Gebiet zählen.

Auf Platz 1: Ott U (2014) Planetary and pre-solar noble gases in meteorites. Chemie der Erde (in Press)
Link to Articel [DOI: 10.1016/j.chemer.2014.01.003]
Edelgase und ihre Isotopen sind so was wie eine Geheimwissenschaft, da technisch recht schwer zu messen. Aber wegen den Eigenschaften – z.B. sind sie chemisch inert (reaktionsfaul) und deshalb von vielen Prozessen nicht betroffen. So stammen die Isotopenverhältnisse von Krypton und Xenon in präsolaren Körnern (wie SiC) noch aus der Entstehungsphase in den abgeworfenen Hüllen eines roten Riesensterns. So sind sie ein Tracer, also ein ein Anzeichen für sehr primitive Komponenten. Wie gesagt, schwer zu messen das Ganze, weshalb sich die Forschung auf wenige, hochspezialisierte Standorte konzentriert.

2-Kruijer TS, Thorsten Kleine T, Mario Fischer-Gödde M, Christoph Burkhardt C, Wieler R (2014) Nucleosynthetic W isotope anomalies and the Hf–W chronometry of Ca–Al-rich inclusions. Earth and Planetary Science Letters 403,317–327.
Link to Article [DOI: 10.1016/j.epsl.2014.07.003]
CAI sind mit die ältesten Brösel, die sich damals im noch jungen Sonnensystem gebildet haben. Die Teile werden als eine Art Nullpunkt für das Sonnensystem in zeitlicher Hinsicht verwendet, mit 4.56 Milliarden Jahren Alter. Sie bestehen aus Mineralen, die sich bei hohen Temperaturen bilden, was auf ihre Entstehung im heissen, inneren Sonnensystem hindeutet. Deshalb ist eine genaue Datierung wichtig, und das Paper bezieht sich auf Isotopensysteme (182Hf/180Hf und 182W/184W), die eine relative Datierung erlauben. Also nicht das Absolutalter, sondern (zeitlich viel höher aufgelöst) relative Altersunterschiede zueinander. Dazu müssen aber die urprünglichen Verhältnisse der Isotopen im der protoplanetaren Scheibe bekannt sein, und die Studie beschäftigt sich damit. Das sind die fundamentalen Daten, auf denen spätere Datierungen aufbauen.

3-Anfinogenov J, Budaeva L, Kuznetsov D, Anfinogenova Y (2014) John’s Stone: a possible fragment of the 1908 Tunguska Meteorite. Icarus (in Press)
Link to Article [DOI: 10.1016/j.icarus.2014.09.006

Tunguska 1908, wir erinnern uns, war wohl ein Einschlag ähnlich wie Tscheljabinsk letztes Jahr – nur das bisher halt keine Trümmer, also Meteorite gefunden wurden. Alle paar Jahre tauchen Kandidaten auf, und dieses Paper handelt von einem solchen.
Ich bin allerdings seher skeptisch in diesem Fall. Die Veroffentichung ist etwas unfertig – der potentielle Meteorit ist ein Sandstein, und bisher wurde noch kein Meteorit mit so einer Zusammensetzung identifiziert. Die Charakterisierung ist fur eine Identifikation eines Meteoriten einfach unzureichend, zumindest Sauerstoffisotopie wäre notig um eine extraterrestrische Herkunft nachzuweisen.

4-Hansen CJ, Andersen AC, Christlieb N (2014) Stellar abundances and presolar grains trace the nucleosynthetic origin of molybdenum and Ruthenium. Astronomy & Astrophysics 568, A47
Link to Article [http://dx.doi.org/10.1051/0004-6361/201423535]

Eine ähnliche Thematik wie bei Platz 2 – jetzt aber mit Ru und Mo. Aber hier haben Astrophysiker die Elementverhältnisse (also nicht Isotope) nicht direkt in präsolaren Körner gemessen,sondern spektroskopisch in Sternen. So bekommt man eine Idee von der Nukleosynthese bei der die Elemente in einem Stern enstehen, wie es aussieht bevor das Material in den interstellaren Raum geblasen wird und dann irgendwann in einem jungen Sonnensystem (wie dem unsrigen) endet.

5-Schwander D, Berg T, Schönhense G, Ott U (2014) Condensation of Refractory Metals in Asymptotic Giant Branch and Other Stellar Environments. The Astrophysical Journal 793 (in Press)
Link to Article [doi:10.1088/0004-637X/793/1/20]
Hier geht man einen Schritt weiter wie im vorherigen Paper: Die Kondensation von Mo, Ru, Os, W, Ir, und Pt wird berechnet, also was sich bildet wenn ein roter Riese seine äußeren Hüllen abwirft. Dabei entstehen winzige Metallkörner, die in präsolaren Körnern gefunden (und analysiert) werden. Dummerweise gibt es auch ähnliche Metallbrösel, die sich im frühen Sonnensystem bildeten. In der Studie geht es darum, Elementverhältnisse zu finden, die auf einen Ursprung in roten Riesen hindeuten, und so den primitiven Charakter von solchen Bröseln bestätigen (wichtig für weitere, aufwendige Untersuchungen).

Was auffällt: war letztes Mal das Thema Mond ganz populär, so sind die Paper im letzten Monat fast alle aus der Ecke Kosmochemie. Auch interessant (und ermutigend): kein Paper aus Science und Nature unter den ersten 5.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s