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Um eines vorweg zu sagen: Einige meiner besten Freunde sind Astrobiologen.

Aber in den planetaren Wissenschaften oder der Planetologie ist es wie überall: Es wird untereinander gerne übereinander gelästert. Alleine die Erwähnung der Astrobiologie an sich unter Kosmochemikern oder Meteoritenforschern sorgt gerne für ein genervtes Augenrollen als Reaktion, oder gleich deutlichere verbale Reaktionen.

So steht das Gebiet unter vielen Kollegen unter dem Ruf des spekulativen, mit einem Hang zu Schnellschüssen. Wie z.B. damals die Sache mit den Arsen-Bakterien als zuerst eine spotztakuläre Entdeckung angedeutet, und dann mit Pressekonferenz etc. auf die Medien losgelassen und gar in Science veröffentlicht wurde.

Von noch abgdrehteren Angelegenheiten sollte gar nicht erst reden müssen, wie die Sache mit den per Ballon eingefangenen Bakterienfossilen. Aber solche Artikel tauchen auch in den renommierteren Journals wie dem International Journal of Astrobiology auf dem Gebiet auf.

Und das ist nicht unbedingt ein Einzelfall, wenn schon ein etwas esoterisches Teil wie das hier durch die Peer-Review kommt, hat man als Journal ein Glaubwürdigkeitsproblem. Oder spekulative Laber-Artikel wie z.B. hier oder gar hier.

Fairerweise, das Konkurrenzblatt Astrobiology ist deutlich besser.

Auch die anderen Teilgebiete der planetaren Forschung gehen in ihrer Arbeit gerne extrem ins Detail und beschäftigen sich ausführlich mit Nebensächlichkeiten (Ich bin da auch nicht ganz unschuldig). Andererseits, wie schon der kanadische Blogger James Nicoll so schön sagte :“Ich habe nichts gegen Tiefgang. Aber ich bestehe darauf, dass es auch eine Oberfläche gibt.“ (More Words, Deeper Holes).

Mein Bild der Astrobiologie ist von gewissen Erfahrungen geprägt wie jene vor über einem Jahrzehnt, während einer sehr schönen Zeit am Natural History Museum zu London.

(Eine Oboe spielt eine verträumte Melodie im Hintergrund, das kann nur eines bedeuten:) Rückblende.

Damals saßen wir, wie es sich für Großbritannien gehört, bei einer nachmittäglichen Tee Pause. Irgendwann (diese Tea Breaks können länger dauern) kam eine Kollegin, die durchaus meine damalige Chefin genannt werden könnte, freudestrahlend in den Common Room und verkündete, dass sie sich ab sofort als offiziell als Astrobiologin zu bezeichnen gedenke. Weil das eben die Zukunft unseres Gebietes sei, von wegen üppig strömende Fördergelder undsoweiter.

Wie auch immer, inmitten des laut geäußerten Unglaubens entfernte sich ein Kollege aus der Elektronenmikroskopie (ein Mikrobiologe) unauffällig, um mit (analogen!) Fotos von Bazillen und ähnlichem zurückzukommen. Und forderte die Kollegin auf, ihm doch die einzelnen Bauteile des Getiers zu erklären, also was man als Biologe im ersten Semester lernt. Und natürlich scheiterte meine Vorgesetzte an der Herausforderung, schließlich sei sie doch Geologin. Und das ganze Bio-Zeugs würde sie sich schon bei Zeit anlesen. Die Frau firmiert auch beute noch bei Bedarf als Astrobiologin.

Natürlich geht es in der Astrobiologie weniger um das direkte Auffinden von erkennbaren Einzellern oder gar höherem (zumindest in absehbarer Zukunft). Es wird eher nach (chemischen) Signaturen gesucht, die man auf Leben zurückführen könnte. Mangels Probenmaterials oder anderer belastbarer Anzeichen außerirdischen Lebens beschränkt sich die Arbeit entweder auf Analoge oder Modelle.

Das soll also jetzt nicht heißen, das alles auf dem Gebiet unsinnig ist, es gibt durchaus auch seriöse Forschung. Und manchmal ist es auch nur Dünkel gegenüber anderen Fachgebieten.
Dann wiederum, auch Kollegen mit einem tatsächlichen Hintergrund und Biologie und Biochemie stehen den astrobiologischen Bemühungen von Kollegen mit einem eher geologischen Hintergrund doch eher skeptisch gegenüber. Stichwort: Astrobullshit.

Aber wer als erstes tatsächlich was stichhaltiges finden würde, der wäre nicht nur wissenschaftlich eine gemachte Person. Und das öffentliche Interesse an der Astrobiologie ist natürlich gewaltig, größer wohl als an den anderen Teildisziplinen.

Aus diesem Grunde habe ich beschlossen, mich opportunistisch an den Bandwagon (Zug) anzuhängen und mein eigenes, privat finanziertes Nebenprojekt in Astrobiologie zu beginnen. Keine Kosten wurden gescheut, und meine wissenschaftliche Reputation steht auf dem Spiel oder so.

Dummerweise ist der Mars etwas weiter entfernt, also müssen wir da ein wenig improvisieren. Glücklicherweise gibt es da eine Firma, die auch an Privatpersonen echten Analogmarsböden (Regolith) zu günstigen Preisen abgibt, Orbitec. Ein Beutel Marsboden wechselt für schlappe 40 Euro incl. Versand den Besitzer (Mond gibt es auch, der ist später fällig). Bild gibt es noch nicht, das Paket hängt im Zoll fest. Größere Mengen sind auch verfügbar, wer also sein Gemüse mal auf wirklich exotischem Grund und Boden will, nur zu. Natürlich haben die keinen echten Marsboden eingeflogen. Es handelt sich um vulkanisches Gestein aus Hawaii, das sehr großes chemische Ähnlichkeit mit dem Gebiet zeigt, indem Viking 1 1976 gelandet ist. Außerdem sind die Spektren des Gesteines ähnlich denen vom weiten Regionen auf dem Mars.

Das deckt also den Marsboden ab. Wasser: ist halt Wasser, basta. Aus dem Wasserhahn. Aber halt in Eisform, da auf dem Mars wohl kaum echtes flüssiges Wasser vorhanden ist. Eiswürfel sollten ein prima Analog ergeben, und aus dem Kühlschrank sollte wohl noch ein wenig organisches Material dranhängen.

Organik. Der Marsboden ist eher Organik-arm, da muss noch nachgebessert werden. Die Fehlerbalken der Ergebnisse werden gewaltig sein.

Das Leben an sich: da werde ich versuchen, auf die Populärkultur meiner Kindheit zurückzugreifen. Genau, die Urzeitkrebse (samt Futter) aus Yps. Wie es sich ergibt, gerade ist eine Neuauflage rausgekommen, das passt ja perfekt.

Dann noch alles in ein Aquarium (schon auf der Liste) und los kann es gehen, demnächst wenn ich Zeit habe, mit

Teil 1:
Die Eiswürfel des Mars.

2 Kommentare zu “Zum Scheitern verurteilte Experimente in Astrobiologie (1): Wie ich am Terraforming des Mars erbärmlich scheitern werde

  1. Pingback: Die beliebtesten Paper in der Planetologie: Presseschau Oktober 2014 | EXO- PLANETAR

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