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Und schon wieder ist ein ganzer Monat vorüber. Zeit für die allseits beliebte Presseschau, basierend auf den am meisten nachgefragtesten Papern auf Cosmochemistry Papers.

Auf Platz eins dieses Mal eine Studie aus der Impaktforschung:
Schmieder et al. New 40Ar/39Ar dating of the Clearwater Lake impact structures (Québec, Canada) – Not the binary asteroid impact it seems?
Kanada ist voll mit Einschlagskratern – tektonisch hat sich im nördlichen Teil nicht allzu viel die letzten paar Milliarden Jahre getan, weshalb Krater nicht durch Subduktion, Gebirgsbildung etc. von der Oberfläche verschwinden. Einzig durch die Eiszeiten wurden die Strukturen ziemlich weggeschmirgelt, aber es ist oft noch genug zu erkennen.
So zum Beispiel die beiden Clearwater Lake Krater in Quebec, mit 26 bzw. 36 Kilometern Durchmesser in der Größenordnung des Nördlinger Ries.
Lange Zeit galt die Struktur als ein Doppelkrater, entstanden beim gleichzeitigen Einschlag zweier Körper. Nach neueren Datierungen ist der östliche der beiden Krater im Ordovizium, vor 470 Millionen Jahren entstanden (siehe einen Eintrag über fossile Meteorite). Der westliche Krater hingegen ist etwas jünger, er entstand wohl vor 290 Millionen Jahren im Perm.

Auf Platz zwei ein Paper aus der Kosmochemie, von Cartier et al.: Redox control of the fractionation of niobium and tantalum during planetary accretion and core formation. Niob (Nb) und Tantal(Tl) haben sehr ähnlich geochemische Eigenschaften. Also sollten sie in gleichen Verhältnissen im silikatischen Teil des Planeten vorkommen wie im Ausgangsmaterial, den Chondriten. Tun sie aber nicht, weshalb die Gruppe um Cartier das Verhalten der Elemente unter verschiedenen Oxidations-Zuständen studiert hat. Dabei hat sich herausgestellt das sich die Elemente tatsächlich unterschiedlich verhalten, also zu verschiedenen Teilen in den Erdkern verschwunden sind. Was wiederum Rückschlüsse auf die Bedingungen bei der Entstehung der Erde (und der Kernbildung) erlaubt.

Auf Platz drei dann drei Paper gleichauf, und das auch mit einem vergleichbaren Thema: Wasser (oder Fluide) im frühen Sonnensystem.

In A water–ice rich minor body from the early Solar System: The CR chondrite parent Asteroid von Schrader et al. geht es um die Meteoritengruppe der CR Chondrite (R wie Renazzo). Diese kohligen Chondrite haben die nette Eigenschaft, dass es sowohl Proben vom Typ 3 (also praktisch unverändert erhaltenes Ur-Material aus dem frühen Sonnensystem) gibt, bis hin zu Typ 1 (komplett durch Wasser auf dem Mutterkörper alteriert).
Schrader und seine Mitstreiter untersuchten Petrologie und Sauerstoff-Isotopie von einer Reihe an Proben dieser Gruppe, um eine bessere Idee davon zu erhalten, wie sich die Zusammensetzung eines Mutterkörpers mit zunehmender Alteration durch zirkuliernde Flüssigkeiten ändert. Das ist unter anderem deshalb interessant, weil man dadurch Daten erhält, die für die Interpretation von (spektroskopischen) Fernerkundungsdaten von möglichen Mutterkörpern (also Asteroiden) sehr nützlich sind. Dawn wird nächstes Jahr bei Ceres eintreffen, der möglicherweise ein Ursprungsort von kohligen Chondriten ist. Außerdem ist eine Sample Return Mission (OSIRIS-REx) zum Asteroiden 101955 Bennu für 2018 geplant. Auch da ist es von Interesse, eine Idee über die Beschaffenheit eines solchen Körpers zu haben.

Cleeves et al. haben in The ancient heritage of water ice in the solar System eine andere Herangehensweise, anstatt von Labormessungen wird modelliert. Wieder Isotopen, dieses Mal die von Wasserstoff. Die Ausgangsfrage ist, ob das Wasser in unserem Sonnensystem noch die ganz ursprüngliche Zusammensetzung der Molekülwolke, aus der sich das Material für unser Sonnensystem abgetrennt hat, besitzt, oder ob sich seine Charakteristiken erst im frühen Sonnensystem bildeten. Ergebnis ist, dass das Wasser nach wie vor ähnlich dem in der Molekülwolke ist. Daraus wird der Schluss gezogen, dass auch andere Bestandteile – vor allem organische – wohl ähnlich unbeschadet die ruppigen Prozesse eines frühen Sonnensystems überstehen. Das wird als Anzeichen für günstige Bedingungen zur Entstehung von Leben anderswo gesehen. Meiner Meinung nach etwas überinterpretiert, Astrobiologie halt.

Zurück auf die frühe Erde (die auf gewisse Weise auch ein recht fremder Planet war), aber mit Konsequenzen für andere terrestrische Planeten geht es in Nitrogen speciation in upper mantle fluids and the origin of Earth’s nitrogen-rich atmosphere von Mikhail und Sverjensky. Es geht um fluide in den Mänteln der Planeten, und wie diese die Bildung der Atmosphären beeinflussen. Die Autoren modellieren die Stabilität von Molekülen des Stickstoffs unter den verschiedenen Bedingungen. Ergebnis: aufgrund der Plattentektonik ist der obere Erdmantel deutlich oxidierender, was Stickstoff als N2 produziert. Dieses entgast relativ leicht aus den fluiden (flüssigen) Phasen, und bildet eine N-reiche Atmosphäre.
Bei Venus und Mars, die wohl keine Plattentektonik wie die Erde haben/hatten, bildet sich NH4, das eher in Gesteine eingebaut wird, also so weniger zur Atmosphärenbildung beiträgt.

Dieses Mal dominierte wieder die Kosmochemie unter den beliebtesten Veröffentlichungen (4 Papers). Nix mit Mond oder Mars, da scheint sich in der Tat ein Trend zu etablieren. Und 3 der 5 sind in Science/Nature erschienen. Die beiden anderen in Geochimica et Cosmochimica Acta, sowie Earth and Planetary Science Letters.

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