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Zurzeit sollte sich das Hauptinteresse der planetologisch Interessierten wohl auf die durchaus erfolgreiche Rosetta/Philae Mission richten. Dummerweise sind stichhaltige Ergebnisse wohl erst von der AGU in San Francisco im Dezember zu erwarten. Das Programm findet sich hier, 4 Sitzungen über Rosetta, plus eine Posterrunde. Aber soweit ich das sehe, nur wenige Präsentationen über Philae.

Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, ein netter Füller in Form eines Updates zu meinem vor sich hin scheiternden kleinen Ausflug in die experimentelle Astrobiologie.

Ich scheute also keinerlei Kosten und Mühen, um eine Packung echtes Marsanalog aus den USA zu importieren. Das war gar nicht so leicht, vor allem die Leute beim münsteraner Zoll liesen mich zwei Male antanzen. Das also bekommt man für knapp 50 Euro (die Hälfte Lieferkosten): 1 Kg schönes, rötliches Pulver, schon gesiebt. Gibt es bei Orbitec in den USA, auch größere Mengen. Und auch Mond-Analog, ist für einen späteren Versuch eingeplant. Das Mars-Analog (JSC MARS-1) stammt aus Hawaii, genauer von den Vulkanen Mauna Loa und Mauna Kea. Es besteht vor allem aus Feldspat und Eisenoxid (Magnetit), mineralogisch und petrologisch nix spektakuläres. Von der Zusammensetzung her ist es sehr ähnlich dem, was Viking 1 auf dem Mars gefunden hat. Und so sieht das Pulver aus:

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Wie man sich halt die Marsoberfläche vorstellt.

Leider stellte sich heraus, dass das Material für mein geplantes Becken zu wenig war. Deshalb wurde ein Untergrund an rotem Suevit aus Polsingen, eingesammelt während einem Bayerntrip mit Kollegen aus der Brown University, hinzugefügt. Vor 15 Millionen Jahren schlug ein ca. 1Km großer Körper in der schwäbischen Alb ein, und produziere das Ries, einen 24 Km durchmessenden Krater (und damit historisch gesehen indirekt auch Gerd Müller, einem später in den USA recht erfolgreichen Fußballspieler). Suevit ist also ein Impaktgestein aus dem Nördlinger Ries, dem Hauskrater der deutschen Impaktforschung. Der farblich angenehm zum Marsanalog passende Polsinger Suevit ist, im Gegensatz zum normalen Suevit, eine Impaktschmelze entstanden wohl aus einer ganzen Schicht an aufgeschmolzenem Gestein nach dem Einschlag. Ersterer hingegen ist ein Mix aus hochgeschocktem Gestein mit kleinen Schmelzfetzen. Da das Ries im Grenzgebiet zwischen BW und Bayern liegt, werden die Schmelzfladen dann auch Flädle genannt.

So wurde eine Ladung schon recht angegammelter Suevite in grobe Körner zerklopft, die einen Untergrund für das feinere Marspulver bilden. Die Marsoberfläche ist auch von Regolith, also komplett durch viele Impakte zertrümmertes Material bedeckt. Insofern kann der Suevit, wenn nicht chemisch/petrologisch ganz passend (er entstand aus einem Grundgebirge aus Granit und Gneiss), als Notlösung durchgehen.

Der erste Schritt bestand darin, eine nette Landschaft zusammen zu schieben. Zwei Hochländer oben und unten, mit einem Tiefland/Mare links. Rechts kommt der Gletscher hin. Dies also die trockene Marslandschaft, irgendwie niedlich:

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Mangels eines verfügbaren Gletschers in der rechten Größe wurden Eiswürfel als Ersatz akzeptiert. Die nächste zeigt die Ausgangsituation (Tag 1): Ein mächtiger, kubischer Gletscher, der langsam dahinschmilzt.

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Und hier die Situation an Tag 5. Das Tiefland wird von einem mächtigen Ozean gefüllt, in dem gewaltige Eisberge treiben (später hinzugefügt). Sieht irgendwie aus wie billiges Chilli con Carne aus der Dose, mit diesem komischen Billigfleisch. Also nicht so prall, sehr matschig. Eigentlich hatte ich mir das Festland trockener erhofft, aber mal sehen.

Ein zweites, kleineres Becken hat sich am Ort des dahingegangenen Gletschers gebildet. Sollte genug Platz für späteres Kleinstgetier sein. Wenn nicht, kann das Becken problemlos ordentlich geflutet werden.

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Jetzt lasse ich das System mal vor sich hin equilibrieren, bis dann die erste Aussaat stattfindet. Womit ? Damit:

DSCF1297

Die älteren unter uns können es wohl nachvollziehen. Mindestens seit ich mein erstes YPS-Heft um 1980 (81?) herum mit meinem mageren Taschengeld erwarb, wollte ich die Urzeitkrebse mal tatsächlich züchten. Hat bisher nie geklappt, war immer Pleite, wenn das passende Heft herauskam.

Und was wäre passender als Urzeitkrebse für ein Astrobiologisches Experiment ? Eben. Sobald sich die Situation also stabilisiert hat, Teil 3: Die Aussaat.

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