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Eigentlich wollte ich noch ein wenig warten, aber da sonst nicht viel los ist, mal wieder was über Rosetta. Ein paar Ergebnisse sind über die letzten Tage immerhin durchgesickert.

Die Geschichte mit der dreifachen Landung sollte wohl bekannt sein inzwischen. Auf eine gewisse Weise haben die Abpraller sich sogar nützlich erwiesen: Der Massenspektrometer Ptolemy hat auf diese Weise wenigstens etwas Material auffangen können. Eben in Form von aufgewirbeltem Staub, so dass man möglicherweise von zwei Orten eine Probe hat. Zweck von Ptolemy (entwickelt an der Open University in Milton Keynes, nördlich von London) ist die Analyse der Isotopenzusammensetzung der leichten Isotope D/H, 13C/12C, 15N/14N, 18O/16O und Edelgase. Wieso das Ganze ? Isotopenverhältnisse variieren zwischen den verschiedenen Materialien im Sonnensystem. Die Sauerstoffisotopie ist in der Meteoritenforschung das letzte Wort, wenn man eine Probe einordnen will. Dummerweise kann Ptolemy nicht 17O messen, das eben in der Meteoritenforschung sehr zentral ist. Je schwerer die Isotope, desto schwieriger ist es, sie im Massenpektrometer rein technisch zu unterscheiden, weil der relative Massenunterschied eben mit zunehmender Gesamtmasse immer kleiner wird. Dennoch, zusammen mit den anderen Isotopensystemen sollte sich schon einiges aussagen lassen. Zum Beispiel die Frage, ob das Wasser auf unserer Erdkugel von Kometen stammt oder nicht. Die Isotopenratios für Ozeanwasser sind wohl bekannt, besonders nützlich sind die Isotopenverhältnisse für Wasserstoff (Wasser besteht nun mal aus Wasserstoff und Sauerstoff). Technisch recht leicht zu messen, denn die Massenunterschiede sind noch riesig (D, als 2H ist doppelt so schwer wie 1H).
Dummerweise wurde das erste Ergebnis nicht mit Ptolemy gemessen, sondern mit ROSINA (Rosetta Orbiter Spectrometer for Ion and Neutral Analysis). Dieses Gerät wurde in Bern entwickelt, und ist ein Massenspektrometer zur Untersuchung der Gasteilchen im Koma des Kometen. Also nicht auf der Oberfläche, sondern im Orbit um den Kern. Und die Ergebnisse zeigen Isotopenverhältnisse an, die deutlich über den irdischen liegen. Also ein Hinweis darauf, das Kometen nicht an der Wasserversorgung der Erde beteiligt waren. Das ist nicht ganz neu, spektroskopisch gemessene Verhältnisse von anderen Kometen lagen (mit einer Ausnahme) auch über der irdischen. Deshalb sind jetzt Asteroiden die besten Kandidaten. Irgendwo muss das Wasser ja hergekommen sein … Wird interessant, ob die Ergebnisse von Ptolemy ähnlich sind.
Leider scheint der Bohrer, der ordentlich Material für die beiden Massenspektrometer und Philae (Ptolemy und COSAC) liefern sollte, lagebedingt kaum nennenswerte Mengen erbohrt zu haben. Aber beide haben immerhin etwas Staub aufgefangen, was zumindest ein paar Ergebnisse liefert. Zumindest COSAC scheint Anzeichen von organischem Material gemessen zu haben.

Probleme hat auch das APXS gehabt. Dieses Gerät sollte die chemische Zusammensetzung der Oberfläche messen, aber die Abdeckung scheint sich nicht richtig gelöst zu haben. Das ist natürlich besonders ärgerlich, aber auch schon vorgekommen (bei den Venera Venus-Landern).

Und dann natürlich die Experimente zu den physikalischen Eigenschaften der Kometenoberfläche, MUPUS und SESAME. MUPUS versuchte, sich in die Oberfläche zu hämmern, was nicht ganz gelang. Ergebnis: Unter dem Staub findet sich eine brutal harte Eisschicht, Temperatur ist -170°C. Ich persönlich hatte viel mehr Staub obendrauf erwartet, so kann man sich irren. SESAME bestätigte die Ergebnisse.

Auch aktiv war CONSERT (COmet Nucleus Sounding Experiment by Radiowave Transmission). Das Gerät liefert in Zusammenarbeit mit dem Rosetta Orbiter mit Hilfe von Radiowellen ein detailliertes Bild des inneren des Kometen.

Bilder sollte es auch einige geben, aber vorerst scheint die Verarbeitung der Daten im Vordergrund zu stehen. Der nächste große Termin ist die American Geophysical Union Tagung im Dezember, das wird wohl einiges an vorläufigen Ergebnissen präsentiert.

Auch noch anzumerken das große Medieninteresse an der Landung, sogar an unserem Institut in Münster tauchte sogar das WDR auf, obwohl wir gar nicht mehr soviel direkt mit der Mission zu tun haben (was vor 10-15 Jahren noch anders war). Ich bin der Typ im Laborkittel, so ab 3:00.

Mehr später, wenn die Daten von Philae (und Rosetta) mal ordentlich durchgekaut sind.

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