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Und schon wieder ist ein Monat vorüber, etwas zu schnell für meinen Geschmack. Deshalb mal wieder Zeit für die monatliche Presseschau der beliebtesten Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Planetologie, basierend auf dem Ranking in Cosmochemistry Papers.

Auf Platz eins findet sich von Kieren Howard (et al.) Classification of hydrous meteorites (CR, CM and C2 ungrouped) by phyllosilicate fraction: PSD-XRD modal mineralogy and planetesimal Environments, veröffentlicht in Geochimica et Cosmochimica Acta.
In diesem Paper geht es um die mineralogische Zusammensetzung der kohligen Chondrite vom Typ 2. Das sind primitive Meteorite, deren sehr pristines (ursprüngliches) Material auf dem Mutterkörper im frühen Sonnensystem (so während er ersten paar 10 Millionen Jahre) durch Wasser verändert wurde. In dieser Aqueous Alteration wurden ‚trockene‘ Silikate im Wesentlichen in Tonminerale umgewandelt (also Matsch). Die Studie von Howard und Konsorten liefert zum einen eine Reihe an detaillierten mineralogischen Gesamtzusammensetzungen für typische Meteorite aus dieser Gruppe. Solche Studien sind gar nicht so einfach, wie es sich zunächst anhört – verschiedene analytische Verfahren ergeben gerne abweichende Ergebnisse. Und dazu kommt das übliche Problem, dass man in der Regel von einem Meteoriten nicht viel Probenmaterial bekommt. Und da gerade die kohligen Chondrite aus vielen, zusammengewürfelten Bauteilen bestehen (Chondren, Matrix, CAIs etc.), benötigt man eigentlich viel Probenmaterial, um ein Ergebnis zu erhalten, dass repräsentativ für die jeweilige Meteoritengruppe ist. Die Studie basiert auf XRD Analysen, also Röntgendiffraktometrie. Diese Technik ist (nicht nur in der) Mineralogie die Standardmethode, die Struktur von Materialien oder Mineralen zu bestimmen. Dummerweise handelt es sich bei Meteoriten um Mischungen aus vielen verschiedenen Mineralen. Dies machte in der Vergangenheit die Auswertung der Röntgendaten sehr schwierig, vor allem wenn man quantitative Daten, also die genauen Gewichtsanteile der Minerale haben wollte. Dank diverser moderner Auswerteverfahren (und Verbesserungen in der Detektortechnik) wird diese Technik in den letzten Jahren wieder verstärkt in der Planetologie verwendet.
In dem Paper werden die gemessenen Anteile der Tonminerale im Verhältnis zu den nicht-alterierten Bestandteilen als Gradmesser für die Alteration verwendet. Damit wird eine Skala, die die Einteilung der kohligen Meteorite erlaubt, signifikant verbessert. Das sind also alles wichtige, fundamentale Daten, die wohl noch in vielen Studien zitiert werden dürften.

Auf Platz zwei liefert Veteran William K Hartmann mit The giant impact hypothesis: past, present (and future?) aus einer Ausgabe der Philosophical Transactions of the Royal Society einen Überblick über die Impaktthorie der Mondentstehung. Das ist die gängigste Theorie der Mondentstehung, also durch die Kollision der Ur-Erde mit Theia, einem etwas kleineren Planetesimal. Das Paper leitet eine ganze Ausgabe über das Thema ein, die wiederum auf einer Tagung zu dem sehr aktuellen Thema basiert. Also eine prima Methode, auf den neuesten Stand in der Thematik zu kommen.

Paper Nummer 3 ist von Kovacs (et al.) Csátalja, the largest H4-5 chondrite from Hungary in Planetary and Space Sciences. Es handelt über den Fall eines gewöhnlichen Chondriten vom Typ H4-5, von dem 15 Kilo im Jahre 2012 über Ungarn herabfielen. Und solche schnell eingesammelten Meteorite sind für die Meteoritenforschung natürlich von besonderem Interesse, da man halt die Einflüsse irdischer Verwitterung (weitestgehend) ausschließen kann.

Dann auf Nummer 4 Shahar (et al.) Cosmochemie pur Sulfur-controlled iron isotope fractionation experiments of core formation in planetary bodies, veröffentlicht mal wieder in Geochimica et Cosmochimica Acta. Es geht um die Isotopenverhältnisse von Eisen und wie diese sich bei der Differenzierung eines Planeten, also der Bildung von Eisenkern und Silikatmantel/Kruste verändern. Anhand der Daten aus solchen Experimenten lassen sich dann die Isotopenverhältnisse in Meteoriten besser interpretieren, besonders, unter welchen Bedingungen sich die Gesteine gebildet haben. Also mal wieder ganz fundamentale Daten, die für weitere Studien interessant sein werden. Ein Ergebnis der Studie ist, dass die Eisenisotopie im Mantel vom Schwefelgehalt beeinflusst wird – woraus sich der Gehalt von volatilen Elementen wie Schwefel im Kern (der nicht nur aus Eisen und Nickel besteht) berechnen lässt. Das ist wichtig für Modellierungen der Chemie eines Planeten, man hat ja keine Proben aus den Kernen.

Auf Platz 5 dann ein technisches Paper, Accurate determination of Zn in geological and cosmochemical rock samples by isotope dilution inductively coupled plasma mass spectrometry veröffentlicht von Khan (et al.) im Journal of Analytical Atomic Spectrometry. Genaue Konzentrationen von Spurenelementen in Gestein zu messen ist generell schwierig. Ein Element kommt meistens in verschiedenen Mineralen vor, die sich je nach Bindungsverhältnissen in den Analysen anders verhalten. Das Paper beschreibt die Prozedur für Zn, dessen Separation aus Gestein und die Messung mittels ICP-MS, der Standardtechnik für solche Analysen. Dabei werden die Elemente chemisch aus dem Gestein abgetrennt (oft ein sehr kniffliges und wegen der Säuren gefährliches Verfahren), und dann in einem Massenspektrometer als Plasma gemessen.

November war ein eher uneinheitlicher Monat, thematisch etwas bunt gemischt. Eine Tendenz zu Grundlagenpapern, die mit einer Ausnahme eher in der Kosmochemie/Meteoritenforschung beheimatet sind. Immerhin eine Veröffentlichung über den Mond. Interessanterweise nichts über Kometen, was angesichts des Rosetta/Philae-Dramas doch zu erwarten gewesen wäre (aber die eigentlichen Veröffentlichungen zu der Mission kommt ja noch). Auch auffällig: Kein Paper aus Science oder Nature unter den Top 5.

Ende Dezember dann die Jahresübersicht.

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