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Die Eigentlich hatten sie was ganz anderes vor. Eine Gruppe Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts war in der Antarktis unterwegs, um die Geologie unter der Eischicht zu Kartieren. Das Projekt nennt sich WEGAS (West-East Gondwana Amalgamation and its Separation), es geht um das Auseinanderbrechen des Urkontinentes Gondwana vor so etwa 180 Millionen Jahren. Also solide, aber auch aufgrund der Geographie aufwendige terrestrische Geophysik.Dabei werden von einem Flugzeug aus Eisradar, ein Schweremessgerät und ein Magnetfeldstärkenmessgerät verwendet, um eben große Gebiete unterhalb des oft kilometerdicken Eises zu vermessen.

Beim überfliegen des King Baudouin Schelfeis fiel einem der Teilnehmer, Dr. Christian Müller im Dezember eine runde Struktur im Eis, Durchmesser etwa 2 Kilometer, auf. Nachfolgende Messungen mit Radar und Laserhöhenmesser scheinen zumindest auf eine Störung des unterliegenden Eises hinzudeuten (aber alles noch Vorläufig). Außerdem wurden weitere, kleinere rundliche Strukturen entdeckt. Das könnte auf einen auseinandergebrochenen Impaktor hindeuten.

Wahrscheinlich war ich jetzt nicht der einzige, dem eine gewisse popkulturelle Referenz in den Sinn kam (ab 02:00). Aber so weit will ich mal nicht gehen, das überlasse ich gerne den Kollegen von der Astrobiologie.

Wie auch immer. Der nächste Schritt bestand darin,  weitere Hinweise auf einen Einschlag zu finden. In der Tat gibt es aus Schallmessungen (Infraschall bei 20 Hertz) Hinweise auf ein Ereignis in der Atmosphäre in der Gegend im Jahre 2004. Außerdem wurde zeitgleich eine Staubspur in der Atmosphäre beobachtet. Würde also alles prima zusammenpassen. Andererseits scheint der Kringel schon auf älteren Satellitenaufnahmen sichtbar zu sein.

Auch blöd, das es sich um Schelfeis handelt, das an der Stelle ’nur‘ ein paar hundert Meter dick ist. Ein 2 Km durchmessender Krater deutet (über den Daumen gepeilt) auf einen Impaktor von etwa 100 Meter Durchmesser hin, was schon eine ordentlichen Einschlag ergeben hätte, im 50-Megatonnen Bereich. Dies ist die eneregie der stärksten bisher gezündeten Kernwaffe. Der potentielle Impakt 2004 wäre eher in der Größe von Tscheljabinsk gewesen.

Die Kuh ist also noch nicht vom Eis, der endgültige Beweis steht noch aus. Aber die beteiligten Wissenschaftler sind sehr seriös an die Sache herangegangen – z.B. keine vorschnellen Veröffentlichungen –  so dass ich recht optimistisch bin, wie auch immer es am Ende ausgeht.

Mit Einschlagskratern ist das nämlich so eine Sache, die schiere Faszination steigt gerne manchen zu Kopf, und manche wollen einfach einen Krater gefunden haben. Siehe ein sich jetzt auch schon über ein ganzes Jahrzehnt erstreckendes Drama über einen angeblichen Krater im südostdeutschen Raum.

Wie schon der Impaktforscher von Engelhardt sagte: Die Natur liebt runde Strukturen.

Ein solcher antarktischer Einschlag auf Eis wäre wohl auch interessant für Leute, die an Eismonden forschen. Man könnte Einblicke in die Kraterdynamik anhand eines natürlichen Beispiels bekommen, anstatt wie bisher immer nur aus Modellen. Bei einem Durchschuss wäre die Dynamik wohl deutlich komplizierter denn bei einem Untergrund aus Gestein. Dies (und falls der Brocken auseinandergebrochen ist) könnte vielleicht einen Teil des Impaktor-Materials unversehrt erhalten haben (sehr spekulativ, zugegeben).

Das Meteorite in der Antarktis gefunden werden, ist nichts besonderes, ein sehr großer Teil der in den Sammlungen vorhandenen Meteoriten (über 30000…) stammt aus dem Südkontinent. Dank der langsam verdunstenden aufsteigenden Gletschern werden Meteorite aus Jahrtausenden an  bestimmten Stellen freigesetzt, wo sie regelmäßig von japanischen und amerikanischen Expeditionen abgeerntet werden. Die Meteorite sind zwar trotz der Kühlung nicht mehr ganz frisch, aber viele interessante Exemplare stammen von dort.

Auch scheint unter der Eisschicht der möglicherweise größte erhaltene Einschlagskrater der Erde zu liegen, der etwas 480-500 km durchmessende Wilkes Land Krater. Der wäre aber einen eigenen Beitrag wert.

So ein aktueller Einschlag würde die Liste vervollständigen.

Die Angelegenheit ist außerdem leider momentan nur ein Nebenprojekt, die Forscher müssen natürlich sich erst mal auf die Hauptangelegenheit konzentrieren. Es bleibt als spannend,  bis dahin Keep watching the Skies etc.

2 Kommentare zu “Das Ding aus einer anderen Welt; oder: Ein Loch im Eis

  1. Pingback: Vorschau 46th Lunar and Planetary Science Conference 2015 (2): Der Kongress tanzt. | EXO- PLANETAR

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