Home

Durchhalten, wir sind fast durch. Noch eine Postersession und dann noch Freitag. Donnerstagabend dann die zweite Postersession, der gefühlte Höhepunkt der Tagung, nochmal sind (fast) alle Teilnehmer auf einem Haufen anzutreffen. Etwas durch den Wind, aber noch ansprechbar.

Die Menge der Poster ist mal unüberschaubar, ein Ozean an Wissenschaft. Deshalb nur ein paar Stichproben.

Nach Tscheljabinsk sind potentielle Impakte wieder mehr in Mode gekommen. A METEORITE PERSPECTIVE ON PLANETARY DEFENSE von Sears et al. in der Postersession NEAR EARTH AND POTENTIALLY HAZARDOUS OBJECTS:BEST SEEN AND NOT HEARD schaut sich mal Meteorite genauer an, ob sie uns was über die Vorgänge während eines Impaktes erzählen können. Das ist Teil eines größeren Projektes von NASA Ames und dem Lawrence Livermoore Laboratory. In die gleiche Richtung geht PHYSICAL CHARACTERIZATION OF CHELYABINSK-SIZED (~20 METER) NEAR-EARTH ASTEROIDS: IMPLICATIONS FOR IMPACT HAZARD, METEORITE SOURCE BODIES, AND HUMAN EXPLORATION von Reddy et al., man will also eingrenzen, mit was in den Meteoritensammlungen das Kleinzeugs da draußen verwandt ist.

INSTRUMENTS AND PAYLOAD CONCEPTS: Eine Riesenladung an geplanten oder gar realisierten Instrumenten für Raumsonden. Sehr technisch, aber interessant.

CHELYABINSK: A WORTHY FALL, das Teil ist also noch nicht abgenagt, da geht immer noch was. RECYCLING OF AN ASTEROID VIA A COMET INFERRED FROM THE CHELYABINSK METEORITE  von Nakamura et al. hört sich aber etwas gewagt an, aber mal sehen.

Das ganze anders herum, also was irdisches auf einem Asteroiden einschlagend, war die epische Hayabusa Mission. Die Session ITOKAWA: MUSING OVER THE BIG PICTURE THROUGH SMALL GRAINS bringt die Ergebnisse der jüngsten Untersuchungen der winzigen Brösel. Und es wird voraus geblickt, Hayabusa 2 ist schon unterwegs, und die hoffentlich diesmal größeren Probemengen wollen entsprechend untergebracht werden: CURRENT STATUS OF JAXA’S EXTRATERRESTRIAL SAMPLE CURATION CENTER von Abe et al.

Auch die primitiven Angelegenheiten kommen nicht zu kurz. In ORIGINS OF THE SOLAR SYSTEM: DISK EVOLUTION AND ACCRETION ein richtig schönes Beispiel für ein konsequent über lange Zeit (>>10 Jahre) durchgezogenes Forschungsprojekt: THE MORPHOLOGY OF FISCHER-TROPSCH-TYPE PRODUCTS von Joseph A. Nuth III und  Natasha M. Johnson, die systematisch die Verarbeitung organischer Verbindungen im ganz jungen Sonnensystem durch eben Fischer-Tropsch Prozesse im Labor nachvollziehen. Im Zeitalter eher kurzfristiger Finanzierungen von Forschung keine Selbstverständlichkeit mehr.

Dann noch die große Party im Pub nebenan, fast jeder hat die Präsentation hinter sich, das hebt die Stimmung natürlich.

Und dann Freitag. Kater und ratternde Rollkoffer dominieren sie Szenerie. Abschiedsstimmung liegt in der Luft (Schnüff). Oder auch nicht. Zur Motivation gibt es am letzten Tage noch was für fast jeden.

Natürlich Mond. EARLY LUNAR EVOLUTION: ACCRETION TO CRUSTAL FORMATION AND MORE, Isotopenstudien und Modelle wie das mit dem Mond ganz am Anfang nach der Kollision ablief.

Natürlich Mars. VOLATILE ELEMENTS ON MARS, also im Wesentlichen Wasser auf selbigem Planeten. Viele Meteoritenstudien.

Aber auch die Eiskugeln weiter draußen werden verabschiedet: OUTER PLANETARY BODIES: EXPERIMENTS AND INVESTIGATIONS INTO THE DEPTHS.  Titan, Enceladus und Konsorten. Auch hier geht es vor allem um flüssiges Wasser.

Die etwas vernachlässigte Schwesterwelt der Erde (halt keine Meteorite) wurde auf den Freitagstermin abgeschoben, VENUS: NEW FLASHES OF INSIGHT.

SMALL BODY SPACE WEATHERING: SUNNY WITH A CHANCE OF AMORPHIZATION, also was so mit Mineralen an der Oberfläche atmosphäreloser Körper durch Strahlung und Mikroimpakte passiert, wurde auch auf den undankbaren Termin gelegt. Viele Strahlungsexperimente mit Laser und so.

Die Nachmittagssessions sind ähnlich wie die des Morgens angelegt, wieder Mond und Mars. LATER LUNAR EVOLUTION: HOW OLD IS OLD? Datierung von etwas späteren Ereignissen auf dem Mond. Schöne Studie fast am Ende von Amy Fagan et al., UNRAVELING THE BOMBARDMENT HISTORY OF THE EARTH-MOON SYSTEM ~2 BILLION YEARS AGO. Hier werden die Überreste der Impaktoren, also der einschlagenden Asteroide aus dem lunaren Regolith (dem Geröll an der Oberfläche) untersucht.

Dann nochmal die Eiskörper, OUTER PLANETARY BODY PROCESSES: CRUST TO SURFACE. Alles mal mit Eis anstatt mit Gestein.

Dann noch HIGH-PRESSURE MINERAL POLYMORPHS. Impakte auf Himmelskörper erzeugen hohen Druck, der die Kristallstruktur der Minerale so komprimiert dass etwas abgefahrenere Minerale entstehen. Alan Rubin korreliert zum Beispiel in MASKELYNITE IN BASALTIC METEORITES: AN INDICATOR OF SHOCK PRESSURE DURING IMPACT EJECTION FROM PARENT BODIES das Vorkommen solcher Minerale mit den physischen Eigenschaften des Mutterkörpers (hier: Masse/Fluchtgeschwindigkeit). Und dann noch, dazu passend, IMPACT CRATERS ON MARS AND THE MOON.

Und das war es dann auch. so gegen Fünf Uhr taumeln die letzten aus den Vortragssälen, die einen Richtung Flughafen, der Rest erst in die teure Hotelkneipe (wo man aber gut draußen in der Sonne sitzen kann), und dann zum Abschiedstrunk/Spachteln um die Ecke. Bis zum nächsten Jahr dann, Tschüß & WinkeWinke.

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu “Vorschau 46th Lunar and Planetary Science Conference 2015 (4): Aufstieg und Fall

  1. Pingback: 46th Lunar and Planetary Science Conference 2015: Nachglühen | EXO- PLANETAR

  2. Pingback: Die gleiche Prozedur wie jedes Jahr: Lunar and Planetary Science Conference 2015 in Houston (Rückblick) › Exo-Planetar › SciLogs - Wissenschaftsblogs

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s