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Die beliebtesten Paper im Februar also, wie üblich via Cosmochemistry Papers.

Nummer 1 waren Young et al. mit High-temperature equilibrium isotope fractionation of non-traditional stable isotopes: Experiments, theory, and applications. Die traditionellen stabilen Isotope sind wohl die der leichteren Elemente, H, C, N, O, und S. Mit stabilen Isotopen kann man zwar nicht datieren (eben weil stabil), dafür sind die Systeme sehr nützlich um physikalische Prozesse nachzuvollziehen, wie zum Beispiel die Entstehungstemperatur eines Minerals. Bei Meteoriten wird gerade die Sauerstoffisotopie verwendet, um Meteorite zu klassifizieren. Mg, Si, Fe, Ni sind etwas weniger traditionell, die relativen Masseunterschiede zwischen den Isotopen machen die Analyse schwerer. Aber da obige Elemente den Großteil eines Gesteins (von Sauerstoff mal abgesehen) ausmachen, sind deren stabile Isotope auch sehr wichtig, um ein komplettes Bild zu erhalten. Das Paper ist eine Review, also eine Übersicht über dieses Gebiet, das die Entwicklungen der letzten Jahre zusammenfasst. So was ist immer praktisch, und dürfte die Beliebtheit des Papers wohl erklären.

Nummer 2 von Santos et al.,Petrology of igneous clasts in Northwest Africa 7034: Implications for the petrologic diversity of the martian crust, ist dann schon etwas spezieller. Es geht um einen Marsmeteoriten, der auf den schönen Namen NWA7034 hört. Dieser ist eine polymikte Brekzie. Das hört sich schlimmer an als es sich anhört. Brekzien sind Gesteine, die nicht aus einem Klotz bestehen, sondern aus Fragmenten, also praktisch Geröll. Polymikte Brekzien bestehen aus Fragmenten verschiedener Gesteine (im Gegensatz zu monomikten Brekzien).    Das ist bei Meteoriten prima, zum Preis von einer Probe bekommt man mehrere (aber halt weniger Material von jedem Meteoritentyp). NWA7034 besteht aus Fragmenten verschiedener Herkunft – aus sedimentären Prozessen an der Oberfläche, aus Impakten, und aus magmatischen Prozessen. Um letztere geht es in dem Paper (obwohl die Sedimente eigentlich spektakulärer wären, aber da kommt dann wohl noch was). Die magmatischen Fragmente sind vor allem basaltisch, aber die Untersuchungen zeigen, dass sie nicht alle in einem Prozess entstanden sind. Der Meteorit enthält Material, dass nicht mit den bereits bekannten Marsmeteoriten zusammen entstanden ist, also praktisch neue Typen von Marsmeteoriten, was natürlich immer sehr interessant ist.

Nummero 3 ist dann von der anderen Ecke der Planetologie: Trace element geochemistry of ordinary chondrite chondrules: the type I/type II chondrule dichotomy von Jacques et al. Chondren kennen wir, das sind die kleinen Kügelchen, die sich sehr früh in der protoplanetaren Scheibe gebildet haben und die für die Benennung der Chondrite verantwortlich sind. Die Studie schaut sich den die chemischen Unterschiede der zwei Hauptgruppen der Chondren an. Typ1 und Typ2 unterscheiden sich vor allem in ihren Eisengehalten, was das aber genau bedeutet ist eben die Frage – lassen sich Rückschlüsse auf die Entstehung daraus ziehen. Die Untersuchung der Spurenelemente deutet auf weitere Unterschiede zwischen den Typen hin. Typ 2 hat sich möglicherweise in einer Region höherer Gas und Materialdichte (z.B. nahe einem entstehenden Planeten) gebildet, und ist schneller abgekühlt. Die Ergebnisse scheinen nicht ganz in Einklang mit dem bisherigen Bild zu sein, also ist mal wieder alles komplizierter. Weitermachen.

Nummer 4. Wir bleiben im ganz frühen Sonnensystem: Luua et al mit Short time interval for condensation of high-temperature silicates in the solar accretion disk. Und wieder geht es um die Chondren, dieses Mal werden aber (wohl erstmals) die Ausgangsmaterialien datiert , also die Staubbrösel, die dann auf welche Weise auch immer während der Chondrenbildung schnell aufgeheizt und abgeschreckt wurden. Das Ganze wurde mit Hilfe von kurzlebigen Al und Mg Isotopensystemen durchgeführt. Ausgangsmateriale entstanden bis 1.5 Millionen Jahre nach offiziellem Startpunkt (basierend auf den CAI), während die untersuchten Chondren sich bis 2 Millionen Jahre bildeten. Das bedeutet, dass ein Teil der Ausgangsmaterialien zeitweise irgendwo abseits von den heißen Bildungsregionen ‚gelagert‘ waren, und wie das im Detail aussah, ist jetzt halt die Frage. Aber in den meisten Fällen scheinen beide Ereignisse zeitlich nahe beieinander gelegen zu haben.

Und das passt thematisch dann auch schön zur Nummer 5.

Das sind Davis et al. mit Isotopic mass fractionation laws for magnesium and their effects on 26Al-26Mg systematics in solar system materials. Die Isotope von Magnesium sind wichtig für die hochaufgelöste Datierung von Vorgängen im jungen Sonnensystem. Dummerweise ist das alles nicht ganz so einfach, der Teufel scheint im Detail zu stecken. Deshalb wurde das Verhalten der verschiedenen Isotope bei Hochtemperaturprozessen wie z.B. Verdampfung (die im frühen Sonnensystem normal waren, siehe Chondrenbildung oben) wurde mit Experimenten im Labor nachgestellt. Wieder fundamentale Daten, die eben für Untersuchungen wir bei Platz 4 sehr wichtig sind.

Zusammengefasst: Februar stand im Zeichen des jungen Sonnensystems, vor allem der Chondrenbildung samt passenden Isotopensystemen. Geochimica et Cosmochimica Acta dominierte mit 3 Papern, mit dem in der Kosmochemie eher seltenen Chemical Geology auf Platz 1. Auch dabei die Proceedings of the National Academy of Sciences, die gerne so was wie Science oder Nature wären, aber halt dann doch nicht sind.

 

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