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Und schon ist die Tagung wieder vorbei, im jetlagbedingten Halbschlaf (6h) dämmere ich im Büro dahin. Hat sich der Trip gelohnt? Kommt darauf an, aber am besten der Reihe nach. Vor einer Woche also, Freitagabend, schlug ich samt Kollegen in Houston (nach 11 Stunden eingequetscht in einem Mittelsitz) auf.

Im Vorfeld der LPSC findet Samstag/Sonntag das Brown/Vernadsky Microsymposium statt, ein Treffen dessen Wurzeln bis in den kalten Krieg zurückreicht (die älteren unter uns erinnern sich, das war als wir uns beinahe selber atomar weggebrutzelt haben). Wissenschaftlicher Austausch zwischen den Blöcken war nicht ganz so einfach, weshalb Leute vom Vernadsky Institut und der Brown University kurzerhand selber was organisiert haben.

Die Vorträge sind länger (30 Minuten), und werden intensiver (aber in freundlicher Atmosphäre) diskutiert. Die Vorträge sind auch eher Übersichten der Thematik, weshalb die Veranstaltung eine prima Gelegenheit ist, auf den neuesten Stand zu kommen (wenn da nicht der Jetlag wäre…)

Thema war die Entwicklung der Mondkruste, unser kleiner Nachbar erfreut sich wieder großer wissenschaftlicher Aufmerksamkeit. Lange Zeit war nach dem Apollo-Boom die Luft etwas raus, man glaubte den Mond ordentlich untersucht zu haben. Aber gerade wegen der zunehmenden Zahl an Raumsonden, vielen Mondmeteoriten, die andere Gebiete als die Apollo-Proben abdecken, und der massiv verbesserten Messtechnologie lohnt es sich wieder, sich mit dem Mond genauer zu beschäftigen.

Ein Punkt der hängen blieb waren die Datierungen des Mondgesteins – verschiedene Alter für dasselbe Gestein machen Modelle über den frühen Mond eher ungenau. Und die Alter sind natürlich von sehr zentraler Bedeutung. Wie einer der Vortragenden (Kring) zwischen den Zeilen andeutete, scheint das Klima zwischen den verschiedenen Arbeitsgruppen auf dem Gebiet ziemlich giftig zu sein. Irgendjemand muss daneben liegen.

Wie schon erwähnt, die Diskussion nach den Vorträgen ist so interessant wie die Präsentation selber. Nicht zuletzt, weil in der Regel sich Leute daran beteiligen, die mal auf einer epischen Exkursion vor Ort gewesen sind (dieses Mal wieder Harrison Schmitt, auf dem Mond mit Apollo 17 Anno 1972).

Die Tagung selber war der übliche Mix aus Themen, der Vorschau (hier, hier, hier und dann noch hier) ist eigentlich wenig hinzuzufügen. Die Erwartungen bezüglich der Rosetta und Dawn-Sessions wurden nicht erfüllt. Zwar gab es ein paar prima hochaufgelöste Bilder vom Rosetta, aber gerade die Philae-Präsentationen waren etwas mager, ich hätte mehr erwartet zumal schon die wichtigen Personen anwesend waren. Auch bei Dawn war nicht so viel wirklich Spektakuläres (meiner Meinung nach) zu sehen.

Auch wenn die Tagung wieder etwa gleich viele Teilnehmer hatte wie letztes Mal (~1700), wirkte sie ein wenig ruhiger. Vor allem gegen Ende lies der Enthusiasmus deutlich nach, Freitagmittag schien sich die Veranstaltung regelrecht aufzulösen. Ein perfekter Sturm aus eher mauen Sitzungen, miesem Wetter, Kater und der schlechten finanziellen Lage könnte der Grund gewesen sein.

Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich weniger Vorträge mitbekam als geplant, da ich die Tagung vor allem für Treffen mit Kollegen nutzte, um gemeinsame Projekte zu diskutieren. Man hat halt die ganzen Leute bei so einer Veranstaltung auf einem Haufen. Auch das ist Zweck einer Konferenz

Wenn wir vom Geld reden: Nach den Sessions am Montag dann das NASA Headquarter Briefing. Da ging es ums Geld – was halt so in Zukunft in die planetare Forschung von Seiten der NASA an Mitteln fließen soll. Und da gibt es einige Probleme. Natürlich sind die Leute, die die Zahlen präsentierten nicht die eigentlichen Entscheidungsträger, sondern eher Wissenschaftler, die ihren Kollegen die schlechten Nachrichten überbringen müssen. Nach einigen mageren Jahren in Folge scheint sich ein gewisser Fatalismus breit gemacht zu haben. Beide Seiten kennen die kritischen Punkte zur Genüge, und wirkten alles eher wie ein Ritual. Auf kritische Fragen kamen unverbindliche, ausweichende Antworten in bestem Politiker-Englisch. Und besser scheint es wohl nicht zu werden, das wurde während der Tagung generell deutlich.
Das trifft gerade diejenigen, die über ‚Soft Money‘ finanziert werden. Das sind Wissenschaftler, die nicht nur Geld für Forschungsprojekte, sondern auch ihr eigenes Gehalt über Forschungsanträge einwerben müssen. Und davon gibt es gerade in den USA sehr viele, und deren Zukunftsaussichten verschlechtern sich nun deutlich.

Lobenswert die konsequente Ausnutzung der ‚Social Medias‘: Teilnehmer können als offizielle ‚Microblogger‘ auf Twitter direkt aus den Vorträgen twittern. Da kriegt man schon so mit, was abging.

Ansonsten: Geld, die Dritte: Der Wechselkurs (praktisch 1:1) hat mich schon etwas ärmer gemacht, ein Bier schlägt gleich mal umgerechnet mit 6-7 Euro zu Buche. Dennoch, war trotz mal wieder recht ergiebig dieses Jahr, gerade auch um den über den Planeten verstreuten Bekannten- und Kollegenkreis mal wieder zu sehen.

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